Die temporären Spielstraßen in nachbarschaftlicher Hand
Ein letztes Mal in diesem Jahr wurde am 22. September zum berlinweiten Aktionstag der temporären Spielstraßen bei uns im Kiez ein Stück Straße gesperrt: In der Freienwalder Straße konnten die Kinder einen Nachmittag lang die Straße fast ohne Autos genießen und erobern, weil einige nicht rechtzeitig weggefahren worden waren, doch das hielt die Kinder in ihrer Spielfreude nicht auf.
Bis Ende 2025 wurden die temporären Spielstraßen im Kiez über das Projektfondsprojekt des Quartiersmanagements Soldiner Straße „Alles rollt“ über 5 Jahre lang finanziert. Seitdem die Förderung des Projekts regulär ausgelaufen ist, hat sich nun eine kleine Gruppe in der Nachbarschaft gefunden, die sich ehrenamtlich um die Organisation kümmert. Der vorherige Projektträger, die Stiftung Freizeit, hat dazu alle wichtigen Infos für eine temporäre Spielstraße zusammengestellt und geteilt.
„Warum macht ihr das?“, fragt ein neugieriges Kind aus der Nachbarschaft, als es an der Straßenabsperrung vorbeiläuft. „Damit die Straße nicht immer nur von Autos genutzt wird, sondern auch zum Spielen verwendet werden kann“, erklärt Lynn, eine der Personen, die hinter der nun ehrenamtlichen Koordination stehen.
Und trotz der Autos, die zum Teil noch geblieben sind, ist mehr als genug Platz: Ganz hinten neben dem Friedhofseingang hat sich das MüllMuseum Soldiner Kiez aufgebaut. Kinder und Erwachsene können sich mit bereitgestellten Kostümen und Masken verkleiden, sodass plötzlich Hammerhaie, Clowns, Füchse und Schweine durch die Freienwalder Straße toben. Daneben wird mit den Musikinstrumenten des Projekts Straßentheater „Lauter Müll“ gemeinsam musiziert.
Nur wenige Schritte weiter riecht es stark nach Kräutersalz. Die Essbare Straße aus dem benachbarten QM-Gebiet Brunnenstraße ist mit zahlreichen frisch getrockneten Kräutern und Gemüsearten ausgestattet. Dort können die Kinder entweder nach vorgeschlagenen Rezepten Salzmischungen kleinmörsern oder ihrer Kreativität freien Lauf lassen. „Die Hälfte der Kinder möchte das Regenbogensalz machen, in dem fast alle der mitgebrachten Kräuter drin sind, die andere Hälfte möchte sich einfach frei ausprobieren“, beobachtet Malte.
Schräg gegenüber geht es kulinarisch weiter: Unser QM-Projekt „Klima im Kiez 2.0“ weckt bei den Kindern nicht nur Freude an Bewegung, sondern auch Begeisterung fürs Tüfteln von gesundem Essen. Hier dürfen sie nämlich Obstteller zusammenstellen und aus den kleingeschnittenen Zutaten schließlich Smoothies mischen. Der besondere Spaßfaktor ergibt sich durch den Mixer, der an ein Fahrrad angebracht ist: Solange das Fahrrad in Bewegung ist, drehen sich auch die Messer vom Mixer, also nur wer fleißig genug fährt, darf nach der Anstrengung ein Glas Smoothie genießen. Das Fahrrad kommt gut an. Schnell gibt es mehr Kinder, die Smoothies herstellen als trinken wollen.
Doch egal wo man hinschaut, die Nachbarschaft kommt gern zusammen. Geschwister helfen sich bei den beiden Essensständen und erklären sich gegenseitig, wie sie die Kräuter am besten klein bekommen. Während die Kinder sich verkleiden, sitzen Mütter und Schwestern daneben im Schneidersitz auf dem Boden und unterhalten sich. Und auch aus den Nachbarhäusern kommen Familien, um eigene Decken mit mitgebrachten Gegenständen zum Spielen und Weitergeben auszubreiten.
Die beliebten temporären Spielstraßen verabschieden sich nun fürs Erste in die Winterpause. Doch im nächsten Jahr soll es weitergehen – da sind sich die ehrenamtlichen Organisator*innen sicher. Wer wissen möchte, was genau sie dafür vorbereiten müssen, kann sich im Leitfaden die gesammelten Hinweise durchlesen und damit gerne selbst in der Nachbarschaft eine Initiative für temporäre Spielstraßen anstoßen.
Text/Fotos: Kassandra Catrisioti-Forgione (Webredaktion)
