Nachbarschaftliches Engagement wächst im Koloniegarten

Eines der wohl besten Beispiele für unermüdliches nachbarschaftliches Engagement bei uns im Kiez zeigt sich im ein wenig unscheinbaren Durchgang zur Drontheimer Straße, angrenzend an das Wohnhaus der Koloniestraße 130. Der liebevoll genannte Koloniegarten besteht aus insgesamt vier Beeten, die abgetrennt vom Fußweg einen Picknicktisch einrahmen.
Lange Zeit vegetierte die Grünfläche vor sich hin, bis eine Anwohnerin aus der angrenzenden Nachbarschaft vor mittlerweile fünf Jahren die Initiative ergriff und den Koloniegarten seitdem mit durchschnittlich 20 bis 30 Stunden im Monat „für das Gemeinwohl und für sich selbst“ pflegt. „Ich habe es sauber gehalten, weil ich es schade fand, den Garten so verwahrlosen zu lassen“, berichtet sie über die Anfangszeit. Daraus ergebe sich heute eine Situation, von der mehrere Parteien profitierten: Denn während die Stadt sich darüber freue, dass die Grünfläche sauber gehalten und gepflegt wird, freuten sich die Anwohner*innen darüber, etwas zu pflanzen und die Beete so gestalten zu können, wie sie es möchten. „So könnte es gerne weitergehen“, fasst die Nachbarin zusammen und schätzt dabei die gute Zusammenarbeit mit dem Quartiersmanagement, dessen Vor-Ort-Büro sich ebenfalls direkt neben dem Koloniegarten befindet.

Denn Unterstützung bekam sie in der Vergangenheit durch finanzielle Mittel aus dem Aktionsfonds des Quartiersmanagements Soldiner Straße/Wollankstraße, von Personen aus der sich ebenfalls in der Nachbarschaft befindenden Union Sozialer Einrichtungen und seit Kurzem auch durch eine weitere Nachbarin, die sich dem ehrenamtlichen Vorhaben angeschlossen hat. Seit einigen Wochen päppelt sie mit anfänglicher Hilfe eines weiteren Freundes einen Teil der Grünfläche auf. „Jetzt kümmere ich mich um das eine Beet und es liegt mir sehr am Herzen“, erzählt sie. Die jungen Setzlinge für Karotten, Tomaten, Feldsalat und Mauerblümchen spriessen fleißig und hatten zunächst auch einen positiven Effekt: Das Beet sei lange sauber geblieben, doch zwischendurch komme es immer noch dazu, dass Stöcke oder andere Gegenstände im Beet landen.
Auch die Nachbarin, die schon seit Anfang an dabei ist, zählt Momente des Vandalismus auf, bei denen sie die entsprechenden Personen direkt angesprochen hat, und betont: „Ich bin in der Hinsicht gar nicht schüchtern, etwas zu sagen, und das wird in der Regel eigentlich auch respektiert.“ Immerhin mache sie sich viele Gedanken, um das Beet, und erzählt, dass sie versuche, „Stück für Stück etwas im Garten zu machen machen, sodass in jeder Jahreszeit etwas wächst und blüht“.
Fotos: privat

Indes pflegt die Garten AG der Carl-Krämer-Grundschule ein weiteres Beet. Im Herbst des vergangenen Jahres haben die Kinder begonnen, das Beet neu auszuheben und mit Holzwänden einzurahmen. Mit einem Hasengitter als zusätzlichem Schutz sollen auch in diesem Beet bald neue Pflanzen wachsen und dazu beitragen, den Koloniegarten etwas einladender zu gestalten. Insofern das Wetter mitmacht und ihr Engagement zum Beispiel nicht auf dem Fordoner Platz direkt vor ihr Schule benötigt wird, kümmern sich die Kinder in der Regel alle 14 Tage mit der AG um ihr Beet im Koloniegarten, sodass es mittlerweile nur noch ein einzelnes Beet ist, das ein wenig verwildert aussieht.
Das Engagement der zwei Nachbarinnen und der Garten AG der Carl-Krämer-Grundschule hat jedoch bereits jetzt zu offensichtlichen Verbesserungen geführt. Die Vor- und Nachhereffekte können in den drei Bildergalerien beobachtet werden: Die erste zeigt einen Aktionstag der Garten AG im November 2025, die zweite besteht aus privaten Fotos der Nachbarin, die sich erst vor Kurzem der Gartenpflege angeschlossen hat, und in der dritten sind aktuelle Eindrücke aus dem Koloniegarten zu sehen. Währenddessen blicken die Beteiligten motiviert in die Zukunft, haben weitere Umgestaltungsideen für ihr Nachbarschaftsprojekt und denken bereits über zusätzliche Beete und andere gartenbauliche Maßnahmen nach.
Text/Fotos ohne weitere Kennzeichnung: Kassandra Catrisioti-Forgione (Webredaktion)
