Aktiv im Alter in Gesundbrunnen
Im Garten des ElisaBeets ist an einem kühlen Sommermorgen das Netzwerk „Aktiv im Alter in Gesundbrunnen“ zu Gast. Denn während alle Stadtteilkoordinationen (STK) in Berlin-Mitte einen Runden Tisch „Seniorenarbeit“ eingerichtet haben, traf die STK Osloer Straße gemeinsam mit dem Olof-Palme-Zentrum die Entscheidung, ein gebietsübergreifendes Netzwerk aufzubauen, da es vor allem aus logistischen Gründen unpraktisch gewesen wäre, ihre Zuständigkeitsgebiete zu trennen. Insbesondere Beratungsstellen und Pflegeheime agierten oft bezirksweit, erklärt Maike Janssen von der STK Osloer Straße. Allein Begegnungsstätten für Senior*innen seien primär oder ausschließlich an einer festen Stelle aktiv. „Ich bin froh, dass die Gebiete in dem Netzwerk zusammengelegt wurden. Man sieht bei Treffen dieser Art oft dieselben Leute“, stellt auch Elisabeth Trouwborst von den Berliner Hausbesuchen fest.

Vor diesem Hintergrund trifft sich das Netzwerk seit 2017 mehrfach im Jahr. Rotierend in den jeweiligen Gebieten und bei den dort vorhandenen Einrichtungen, damit die Netzwerkmitglieder regelmäßig die Angebote kennenlernen können. Im Sommer finden die Treffen meist in Form von Kiezspaziergängen statt, um „mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen“, wie Maike Janssen vergleicht. Zu dem offenen Netzwerk kämen nämlich immer wieder neue Personen und Akteur*innen hinzu – wer an der Arbeit des Netzwerks und den dort vorgestellten Angeboten interessiert ist und diese braucht, könne immer dazu stoßen, erklärt Maike Janssen.

Dieses Mal stehen also das ElisaBeet und dessen Mitmach-Tage, Gemüsekisten und die kostenlos zur Verfügung stehende Jurte im Mittelpunkt. Außerdem stellten sich die Berliner Hausbesuche für Bewohner*innen über 70, die wir auch im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus vorgestellt haben, in aller Ruhe vor. Ganz nach dem Motto „Entdecken Sie Ihre Möglichkeiten“ versuchen sie, Senior*innen bei freiwillig vereinbarten Terminen präventiv zu erreichen, bevor Krisen entstehen. In Bezug auf ältere Personen sei häufig das Problem, dass sich einsame Menschen in Pflegetagesstätten und ähnlichen Einrichtungen nirgendwo zugehörig fühlten, beobachten Elisabeth Trouwborst und Julia Siegmund in Mitte.
„Wichtig ist es, die richtigen Schlüsselfiguren zu finden. Man muss ein Vertrauen aufbauen und immer wieder da sein, besonders für Personen mit Migrationshintergrund“, beschreiben sie. „Zeit und Vertrauen waren für uns der Schlüssel – und Essen!“, fassen sie zusammen. Gemeinschaftlich organisierte Frühstückaktionen von Initiativen seien häufig ein guter Anlaufpunkt für ältere Bewohner*innen im Kiez. Die vertrauensbasierte Arbeit sei jedoch zentral, da die betroffenen Personen häufig bereits Flyer besäßen, auch mehrsprachige, sich aber dennoch nicht trauten, alleine Veranstaltungen zu besuchen, obwohl sie es dringend bräuchten. „Da muss man wirklich dran bleiben“, erkennen sie immer wieder bei ihren Hausbesuchen. Aktuell versuchen sie sich unter anderem bei den BSR-Kieztagen präsenter im Kiez zu zeigen.
Die Relevanz der Netzwerkarbeit in Form von Unterstützungsformaten für Senior*innen zeigte sich wieder einmal erst kürzlich, als das Bezirksamt Mitte von Berlin im April die bezirklichen Gesundheitsziele „Gesund älter werden in Berlin Mitte“ beschloss, „um ein aktives und gesundes Leben im Alter zu ermöglichen“, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Mit diesem Ansatz sollen die unterschiedlichen Bedürfnisse der Senior*innen in den Handlungsfeldern Bewegung & Mobilität, Ernährung, mentale Gesundheit & Einsamkeit sowie Klima- & Hitzeschutz gestärkt werden, um ihre Lebensqualität, Selbstständigkeit und Teilhabe zu fördern.

Andere Akteur*innen im Netzwerk, das Haus des Humanismus und der Kieztreff Leipziger Straße, planen indes eine gezielte Vernetzungs- und Weiterbildungsveranstaltung, die zur Unterstützung für Ehrenamtliche und Übungsleiter*innen gedacht ist. Insbesondere Beratungen für Senior*innen in Bezug auf den Umgang mit Smartphones und Computern sollen im Mittelpunkt stehen.
Außerdem lädt das Netzwerk „Aktiv im Alter in Gesundbrunnen“ zum Sommerfest der Runden Tische „Seniorenarbeit“ mit Musik, Informationen und zahlreichen Aktivitäten ein, welches am Mittwoch, den 2. September 2026, von 14 – 17 Uhr auf dem Rathaus Vorplatz in der Müllerstraße stattfindet. Darüber hinaus wird eine Wahlrunde mit Kanditat*innen der SPD, der Grünen, der Linken sowie der CDU am 27. August organisiert. Weitere Informationen dazu folgen.
Text/Fotos: Kassandra Catrisioti-Forgione (Webredaktion)
