„Das Besondere am Soldiner Kiez ist die dynamische Netzwerkarbeit“

Ein Porträt der Bildungskoordinatorin im Soldiner Kiez

Wer an der Soldiner Straße aufmerksam spazieren geht, könnte sich bei der Nummer 42 mit den großen Glasfenstern und der uneindeutigen Einrichtung fragen, was es mit der Werkbank, dem E-Schlagzeug und den vielen Flyern auf sich hat. Ihr Büro teilt sich die Bildungskoordinatorin im Soldiner Kiez, Alexandra Roberts, nämlich gemeinsam mit anderen Akteur*innen im Kiez. Der Raum verkörpert anhand seiner Mehrfachnutzung bereits eines der fünf Ziele, welche Alexandra Roberts in ihrer Arbeit verfolgt: Seit 2024 ist sie in ihrer Position vor Ort tätig, um Übergänge (zum Beispiel von der Kita in die Grundschule) zu stärken, Kooperationen zu fördern, Angebote zu bündeln, benachteiligte Zielgruppen zu erreichen und eben auch Mehrfachnutzung zu generieren. 

Die Stelle der Bildungskoordinatorin ist Teil des Modellprojekts „Zukunftskieze – Bildung im Quartier kooperativ planen und gestalten”, das seit 2022 durch die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie in unterschiedlichen Bezirken gefördert wird. Die bereits erwähnten fünf strategischen Ziele setzt Alexandra Roberts täglich um, indem sie zum Beispiel daran arbeitet, die Vernetzung von Akteur*innen im Kiez neu zu initiieren, zu reaktivieren oder zu begleiten. „Alle haben eine unglaubliche Bereitschaft, etwas im Kiez zu verändern“, erklärt die Bildungskoordinatorin begeistert. Und genau dort, wo Ressourcen für die Kooperationen wie Zeit und Personal fehlen, setzt sie an: „Ich unterstütze da, wo Einrichtungen es mit eigenen Ressourcen nicht stemmen können.“ Das bedeutet konkret, dass sie Schulen und Kitas unter anderem dabei hilft, Familien zu erreichen und Konzeptideen für zum Teil auch neue Kooperationen zu erarbeiten, welche die Ausarbeitung von gemeinsamen Zielen fördern.

Dazu gehört auch das Erreichen von Familien, die bestimmte Angebote noch nicht nutzen oder kennen. Alexandra Roberts betont, wie bedeutsam die persönliche Ansprache von den gesuchten Personen sei: „Vertrauen ist eine notwendige und förderliche Ressource.“ Ohne Vertrauensbasis, die durch stetige Präsenz erzeugt wird, ohne ihre kultursensible Expertise und ohne die Verknüpfung zu bereits im Kiez verankerten Akteur*innen, wäre ihre Arbeit nur halb so erfolgreich: „Das Nahbare ist viel wirkungsvoller als ein Flyer, der schnell verschwindet oder verlegt wird.“ Das gelinge zum Beispiel dank der „aufsuchenden Arbeit“ an den Orten, wo sich die Familien bereits aufhalten – sei es beim Bäcker oder in der Moschee nebenan.

Anderseits wünscht Alexandra Roberts sich perspektivisch auch, Familien noch früher und besser zu erreichen und zu begleiten. Ein Problem bestehe zum Beispiel darin, dass Kinder zu spät in die Kita geschickt würden, was eine schlechtere Bindung an der Schule zur Folge hat, zum Beispiel aufgrund von mangelnden Sprachkenntnissen oder einer schwächeren sozialen Entwicklung. Um in diesem Feld für einen früheren Kita-Eintritt zu sensibilisieren, organisiert sie in diesem Jahr einen „Kita-Marktplatz“, bei dem sich Kindertagesstätten im Kiez vorstellen können. 

Doch Personen und Akteur*innen im Kiez können dank eines eigenen Projektfonds auch selbst aktiv werden. Der Fonds mit insgesamt 10.000 Euro stellt dabei eine Besonderheit dar: Weil die Bildungskoordinator*innen selbst frei darüber entscheiden können, wie die ihnen bereitgestellte Summe verwendet wird, kommt es nicht immer dazu, dass so viel Geld öffentlich ausgeschrieben wird. Die besonders niedrigschwelligen Anträge für Projekte mit Ausgaben ab 500 Euro können noch bis zum 23. März 2026 eingereicht werden. Während des gesamten Prozesses – von Fragen zum Antrag bis hin zur Umsetzung und Abrechnung – unterstützt die Bildungskoordinatorin gern. Im vergangenen Jahr konnte mithilfe des Fonds unter anderem der lebendige Adventskalender im Soldiner Kiez finanziert werden.

Hinter der Bildungskoordinatorin steht die wortlaut Bildungswerkstatt UG, die sich als Bildungsträgerin aufgrund von bereits bestehenden Erfahrungen vor Ort auf die Position im Gesundbrunnen beworben hat. Dazu gehört das „Sprach- und Lesenetzwerk“, welches wortlaut seit 2023 mithilfe des Projektsfonds des Quartiersmanagements Soldiner Straße/Wollankstraße umsetzt. Mit der durchführenden Kollegin des erst kürzlich verlängerten Projekts steht Alexandra Roberts stetig im Austausch, um Bedarfe der gemeinsamen Zielgruppen abzusprechen.

Ihre Funktion beschreibt Alexandra Roberts nämlich als äußerst aktiv, präsent und begleitend. Daher bezeichnet sie sich selbst auch als „lebendige Litfaßsäule“, als ein stetig präsentes Aushängeschild, das versucht, die entsprechenden Zielgruppen, also in erster Linie Eltern und ihre Kinder vom Kita- bis mittleren Grundschulalter, zu erreichen und über Angebote zu informieren. Neben den vielseitigen Tätigkeiten vor Ort, verfüge ihre Arbeit gleichzeitig aber auch über „stille“ Aspekte, zum Beispiel wenn sie an ein bis zwei Tagen die Woche administrative Aufgaben abarbeitet. „Es ist eine gute Mischung aus allem“, fasst die Bildungskoordinatorin zusammen. 

Was den Soldiner Kiez besonders mache, sei der starke Verbund zwischen den unterschiedlichen Akteur*innen vor Ort, die gemeinsam am gleichen Ziel arbeiten und anhand gebündelter Ressourcen, zugängliche und wirksame Bildungswege für die Familien im Kiez gestalten. Dieser Zusammenhalt, diese „dynamische Netzwerkarbeit vor Ort“, stehe in Kontrast zu vorherigen Arbeitserfahrungen, bei denen die heutige Bildungskoordinatorin eher als Einzelakteurin fungiert hat. So war es Alexandra Roberts möglich, ihre Expertise aus früherer Berufserfahrung, die sie bereits in der ganzen Stadt sammeln konnte, zum Beispiel in Form von kultursensiblen Kompetenzen im Umgang mit Menschen mit Migrations- oder Fluchterfahrung, auszubauen und in ihre Funktion innerhalb der starken Netzwerklandschaft im Soldiner Kiez einzubetten.

Wer das Angebot der Bildungskoordinatorin nutzen möchte, kann Alexandra Roberts unter 030 789 546 018 oder +49 1514 3307170 bzw. per Mail unter alexandra.roberts(at)wortlaut.de erreichen.


Text/Foto ohne weitere Angabe: Kassandra Catrisioti-Forgione (Webredaktion), Beitragstitelbild/Foto Außenaufnahme und Portätfoto: wortlaut Bildungswerkstatt UG