Nähen was der Saum hält
Dank dem Aktionsfonds des Quartiersmanagements Soldiner Straße/Wollankstraße können sich gleich zwei Nähprojekte in der Nachbarschaftsetage wieder fleißig ins Zeug legen. Angeleitet durch das NähCafé, das jeden Donnerstag von 10:30 bis 13:00 Uhr stattfindet, konnten die Nähmaschinen mit den finanziellen Mitteln und Unterstützung durch die Stadtteilkoordination Osloer Straße nach vielen Jahren gewartet und repariert werden.

Vita Maiwald hat 2020 die ehrenamtliche Verantwortung der Organisation von ihrer Vorgängerin Cora Lie übernommen, die das Café 2013 mit den sechs verwaisten Nähmaschinen in der Nachbarschaftsetage der Fabrik Osloer Straße gegründet hatte. „Ich hätte es schade gefunden, wenn es nicht weitergeführt worden wäre, als Cora nicht mehr konnte“, erklärt Vita Maiwald. Denn viele der Teilnehmenden seien schon seit Jahren mit dabei und kämen aus der ganzen Stadt beim NähCafé zusammen. „Man hat hier viele Schicksale begleitet“, erinnert sich Cora Lie zum Beispiel an die Geburten von Kindern einiger Teilnehmenden, die heute manchmal zum Spielen dazukommen.
Beim Schwelgen in Erinnerungen erzählen die beiden auch von einem 91 jährigen Mann, der einmal ohne Hilfe seine Hose gekürzt hat. Im NähCafé arbeiten alle Teilnehmenden nämlich eigenständig an ihren Projekten. Zwar durchaus mit gegenseitiger Unterstützung, aber nicht als Dienstleistung für andere Personen. Dazu gibt es meist Heißgetränke und etwas zum Naschen: „Besonders schön ist das Beisammensein“, fasst Vita Maiwald zusammen. Das Projekt lebt auch vom Plausch bei einer warmen Tasse Kaffee, sodass es auch eine Person gibt, die nicht nähen kann, mitunter nur für den vertrauten Umgang miteinander kommt und stattdessen in der Gruppe strickt.

Ein weiteres Nähprojekt, das von den reparierten Nähmaschinen profitiert ist „Nähen am Abend“, jeweils montags von 18:30 bis 20:30 Uhr. Auch dort treffen sich seit mehreren Jahren Näher*innen mit mehr oder weniger Erfahrung zum gemeinsamen Nähen und Austausch in immer unterschiedlichen Gruppenkonstellationen. Die Teilnehmenden können für ihre Taschen, Kleider, Untersetzer und andere Projekte entweder ihren eigenen Stoff mitbringen oder einige Reste verwenden, die vor Ort in der Nachbarschaftsetage zur Verfügung stehen, wie auch weitere Nähmaterialien und ein Bügelbrett.
Auch in diesem Jahr steht wieder Geld aus dem Aktionsfonds für nachbarschaftliche Projekte zur Verfügung. Wer finanzielle Unterstützung für eigene Projekte sucht, kann ab sofort Geld aus dem um 150% frisch aufgestockten Aktionsfonds beantragen, denn: Dieses Jahr stehen insgesamt 15.000 € zur Verfügung! Mehr Infos gibt es hier.
Wer sich der offenen und angenehmen Atmosphäre der Nähgruppen anschließen möchte, kann sich vor einem Besuch bei Vita Maiwald (maiwaldv@gmail.com, NähCafé, donnerstags) oder Maria Wolf (Naehenamabend@gmx.de, Nähen am Abend, montags) melden. Bei beiden Gruppen können auch Kinder hinzukommen, die sich in der Spielecke austoben können oder sogar alt genug sind, um selbst ein wenig zu nähen. Erste Erfahrungen an der Nähmaschine werden in beiden Projekten vorausgesetzt. Dabei sind tiefere Vorkenntnisse zwar keine notwendige Bedingung zur Teilnahme, aber definitiv von Vorteil, da alle Teilnehmenden selbst an ihren Projekten arbeiten
Text/Fotos: Kassandra Catrisioti-Forgione (Webredaktion)
