Das MüllMuseum zu Gast im Gesundbrunnen Center

In der letzten Januarwoche war das MüllMuseum Soldiner Kiez für eine Aktionswoche zum Thema Nachhaltigkeit zu Gast im Gesundbrunnen Center. Jeden Tag von 10 bis 18 Uhr standen die Initiatorinnen des Museums auf einer Fläche mit unterschiedlichen Gästen aus dem Kiez im Untergeschoss des Einkaufszentrum bereit, um sich mit interessierten Passant*innen über das jeweilige Thema des Tages auseinanderzusetzen.

Das Einkaufszentrum trat mit dem Museum nach dem Müllgipfel in Kontakt und bot von sich aus einen leerstehenden Laden für eine Dauer von zwei Monaten an, nachdem das Museum Ende des vergangenen Jahres aus den Räumen in der Stephanuskirche ausgezogen war. Weil der Laden schließlich aber doch vermietet werden konnte, kam die Idee einer Aktionswoche zustande, die das Gesundbrunnen Center auch mit der Bereitstellung von „MüllMuseum“-Möbeln und zu Tischen umfunktionierten Metallfässern unterstützte.

Die Arbeit in der Durchgangsfläche des Gesundbrunnen Centers vergleicht Susanne Schulze-Jungheim mit einer Bahnhofshalle, an diesem Ort finde das Leben statt. „Man findet hier Interessenten für alle Themen. Ich will immer hier arbeiten“, stellt eine der beiden Köpfe hinter dem MüllMuseum voller Freude fest. Und tatsächlich begegnen einem innerhalb von kurzer Zeit Personen, die aus der Ferne gespannt zuschauen, andere, die lediglich nach dem richtigen Ausgang zur U-Bahn fragen, und wieder andere, die mit den Vertreterinnen des MüllMuseums ins Gespräch kommen.

Besonders am Nachmittag füllt es sich im Einkaufszentrum. Wegen der draußen herrschenden eisigen Temperaturen kämen zum Beispiel Familien mit ihren Kindern, um sich drinnen aufzuwärmen, wodurch sich überhaupt erst das spannende Publikum ergebe, analysiert Lena Reich, die zweite Initiatorin des Museums. Der erfolgreiche Auftakt äußert sich gleich doppelt: Einerseits gab es bereits am Montag zu Beginn der Aktionswoche Kinder, die sich gleich für den Freitag anmelden wollten, an dem neue Karnevalskostüme aus alter Kleidung gestaltet wurden. Andererseits, erklärt Lena Reich, bestünde ein weiterer Vorteil darin, dass hier auch die Eltern der Kinder erreicht werden könnten. Zum Beispiel in Bezug auf alte Kleidung, die aufgewertet wird, im Gegensatz zu günstig erworbenen, aber schnell kaputt gehenden Karnevalskostümen. Im Museum hatten die Botschaften des Museums auf direktem Weg nur die Kinder und ihrer Lehrkräfte erreicht. Inwiefern die Kinder im Anschluss an Besuchen im Museum auch zuhause über die angesprochenen Themen diskutierten, war für die Initiatorinnen im Rahmen ihrer Arbeit nicht immer ersichtlich.

Umso schöner, dass das MüllMuseum mit seinem breitgefächerten Programm nicht nur verschiedene Themen abdecken, sondern auch mehrere Partnerorganisationen aus dem Soldiner Kiez zusammenbringen konnte. Die jeweils thematisch passenden Kunstwerke wurden nämlich täglich von Workshops begleitet, die zum Teil von Gäst*innen konzipiert waren. So waren am Donnerstag, der Thementag zum unvorsichtigen Konsum von Suchtmitteln, wie zum Beispiel Lachgas, der Jugendclub SoKo 116 und die Fachstelle für Suchtprävention Berlin zu Besuch.

Am Dienstag standen Lebensmittel im Fokus, sodass das ElisaBeet einen Fermentierworkshop mit gerettetem Gemüse anbot, um Lebensmittel nicht nur einen intensiveren Geschmack zu verleihen, sondern auch um sie länger haltbar zu machen und Lebensmittelverschwendung zu vermeiden. Wie Catarina vom ElisaBeet in einer kurzen Einführung erläutert, ist Milchsäurefermentation darüber hinaus wegen ihres probiotischen Charakters besonders gesund für die Darmgesundheit, und hilft bei der Aufnahme von anderen Nährstoffen. Dazu wurden Informationsmaterialien zum „richtigen Einkaufen“ und der korrekten Lagerung von einigen Lebensmitteln ausgelegt. Mit fortgeschrittenen Passant*innen gibt es währenddessen einen Austausch über passende Gewürze, geeignete Gläser und neue Rezepte. Eine ältere Dame mit wenig Zeit um zum Workshop zu bleiben, kopiert sich eine der Anleitungen, um es später zuhause auszuprobieren.

Bei der Aktionswoche des Museums gab es also für jede*n etwas zum mitnehmen – sowohl physisch als auch inhaltlich. Nach der aufregenden Woche wird es wohl vorerst etwas ruhiger. Bis auf Weiteres stellt das MüllMuseum jeden Mittwoch von 10 bis 12 Uhr in der Nachbarschaftsetage (Fabrik Osloer Straße) aus, bis das Museum auch in diesem Jahr ab dem Frühling mit dem QM-Projekt Straßentheater „Lauter Müll“ auf der Grüntaler Promenade aktiv sein wird.

Text/Fotos: Kassandra Catrisioti-Forgione, Webredaktion