Nachahmen erwünscht: Spielen auf der Straße

Projekt „Alles rollt“ organisiert Spielstraßen. Foto: Andrei Schnell

Das Projekt „Alles rollt“ möchte ein Vorbild sein. Es zeigt, was eine Spielstraße alles möglich macht. Zum anderen, möchte es Nachbarn ermuntern, künftig selbst Spielstraßen zu organisieren. Markus Blösl vom Projekt „Alles rollt“ wünscht sich, dass der Funke überspringt und sich Nachbarschaften, Vereine, Initiativen oder Einrichtungen finden, die eine Spielstraße ins Leben rufen und dabei bereitstehende Hilfen nutzen.

So einfach funktioniert die bürgerschaftlich organisierte Spielstraße

Das Projekt „Alles rollt“ kann man sich wie ein überbordendes Schaufenster vorstellen, das für den Werbeeffekt randvoll gefüllt ist. „Wir machen ein großes Angebot, um Sichtbarkeit zu schaffen“, sagt Markus Blösl. Deshalb transportiert er zum Beispiel jedes Mal mehrere Kubikmeter Roller, Skateboards, Parcourselemente, Spieltische und einen Basketballkorb zur Spielstraße.

Beispiel „Alles rollt“ in der Kattegatstraße. Foto: Andrei Schnell

Doch der Aufwand ist für private Organisatoren nicht erforderlich, denn die Grundidee des Konzepts Spielstraße ist auf Einfachheit ausgerichtet. „Man stellt einen Tisch vor die eigene Haustür, trinkt Kaffee, bringt für die Kinder Kreide mit“, beschreibt Markus Blösl, wie das Prinzip Spielstraße laut Lehrbuch funktioniert. „Wir erleben immer wieder, dass bei Kindern gerade die einfachen Dinge gut funktionieren. Ein Ball, eine selbst gebastelte Zielscheibe und vor allem freier Platz“. Denn Kinder genössen den plötzlich zur Verfügung stehenden Raum. In einem Wort: Viel Spielzeug mitzubringen, ist nicht nötig.

Eigene Straßenschilder braucht es ebenfalls nicht. „Im Idealfall gibt es eine feste Beschilderung, wie in einigen Spielstraßen in Friedrichshain und Kreuzberg“. Wenn der Bezirk diese nicht (gleich sofort) einrichtet, dann hilft das Bündnis Temporäre Spielstraßen (LINK). Das Bündnis erhält vom Senat Geld, mit dem es Firmen bezahlt, die professionell Halteverbotsschilder aufstellen. Außerdem besorgt das Bündnis bei der Bezirksverwaltung die erforderlichen Genehmigungen.

Was es braucht, sind sechs engagierte Menschen. „Es braucht sechs Leute, die einen halben Tag Zeit haben. Und eine feste Struktur, zum Beispiel ein Nachbarschaftskern oder einen Verein“, sagt Markus Blösl. Die Aktiven müssen mit dem Herzen dabei sein und am Tag der Spielstraße vor Ort sein. Das Bündnis Temporäre Spielstraßen nennt diese aktiven Menschen Kiezlots*innen. Neun Aufgaben haben sie. Diese reichen von Straße sperren über gut sichtbar und ansprechbar sein bis hin zu Aufräumen.

Projekt „Alles rollt“ in der Zechliner Straße. Foto: Andrei Schnell

Stiftung Freizeit organisiert „Alles rollt“

„Alles rollt“ trägt den Projekttitel Reallabor Temporäre Spielstraße II. Start war 2021. Vor drei Jahren war das Konzept Spielstraße noch relativ neu, denn die erste befristete Spielstraße in Berlin wurde 2019 auf der Böckhstraße im Friedrichshain organisiert. Die Quartiersräte hatten sich daraufhin ein ähnliches Projekt für den Soldiner Kiez gewünscht und dafür eingesetzt. Der Projektträger „Stiftung Freizeit“ setzte die Idee Spielstraße im Ortsteil Gesundbrunnen und hier im QM Soldiner um. Hinter dem Namen „Stiftung Freizeit“ steht ein 2011 gegründetes Architekten*innenkollektiv. „Wir gestalten Räume und Prozesse“, steht auf der Webseite des Kollektivs. Markus Blösl, der die „Stiftung Freizeit“ mitgegründet hat, sagt: „Wir wollten unsere Zeit der Stadt stiften“.

Projektteam „Stiftung Freizeit“ organisiert Spielstraße „Alles rollt“. Foto: Andrei Schnell

Im Projekt „Alles rollt“ organisiert „Stiftung Freizeit“ 15 Spielstraßen. Das sind rund fünf bis sechs pro Jahr. Die Termine für 2024 lauten:

22. Mai Zechliner Straße

5. Juni Freienwalder Straße

19. Juni Kattegatstraße

3. Juli Zechliner Straße

11. September Kattegatstraße

22. September Freienwalder Straße.

Ziel des Projekts ist es zum einen, die Möglichkeiten temporärer Spielstraßen zu demonstrieren. Darüber hinaus arbeiten wir an der zukünftigen Verstetigung der temporären Spielstraßen durch die Nachbarschaft als Treffpunk für die Nachbarschaft. 

Deine Spielstraße braucht dich! Melde dich bei uns!

Interessierte (Mit-)macher*innen können sich bereits jetzt bei der Stiftung Freizeit melden, um ihre Ideen auf die Straße zu stellen oder sich als Kiezlots*innen auszuprobieren.

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Projekt Alles rollt / Reallabor Temporäre Spielstraße II
Projektträger Stiftung Freizeit
Bündnis Temporäre Spielstraße
Aufgaben Kiezlotse*in