Aktiv im Soldiner Kiez: „Prävention statt Repression“ – der kiezbezogene Netzwerkaufbau

In unserer neuen Rubrik „Wer ist aktiv im Soldiner Kiez?“ blicken wir auf Vereine, Organisationen, Gruppen und Einzelpersonen, die sich für den Kiez einsetzen. Manche von ihnen haben in der Vergangenheit bereits mit dem Quartiersmanagement zusammen gearbeitet, andere lernen uns gerade erst kennen. Mithilfe unserer neuen Rubrik möchten wir sie bekannter machen, sodass sich insbesondere neue Akteur*innen im Quartier vernetzen können.

Im Sommer 2026 treffen wir in unserem Büro in der Koloniestraße Yousef Ayoub (1. Vorstand), Eckhard „Ecki“ Mantei (Schatzmeister) und Elisabeth „Lisa“ Wentzel (Projektkoordinatorin) – drei der Köpfe hinter dem KbNa Berlin e.V. Seit seinem Gründungsjahr 2009 setzt sich der gemeinnützige Verein für kiezbezogenen Netzwerkaufbau ein. Gemeinsam mit Nihal Uygun (2. Vorstand) und Yahya Yahyayew (Projektmanagement) machen sich die drei Gäste für Gewaltprävention stark und organisieren jährlich ein Fußballturnier mit Mannschaften aus unterschiedlichen Gemeinschaften und Einrichtungen.

Neben Schulen, Religionsgemeinschaften und Polizeibehörden in Berlin, die bei den Turnieren antreten, hat der Verein auch eine Kooperation mit dem Polizeipräsidium in München und war einst zu Gast in Los Angeles. Außerdem wurde der Vereinsgründer Yousef Ayoub 2025 für sein langjähriges Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Unseren Bericht zur diesjährigen 16. Ausgabe des KbNa-Cups lest ihr weiter unten. Vorher stellen die drei Gäste sich selbst und ihre Arbeit in einem Interview mit dem Quartiersmanagement Soldiner Straße/Wollankstraße vor.


QM Soldiner: Was ist euer Bezug zum Quartier? Yousef, du kommst aus dem Soldiner Kiez, richtig?

Yousef: Genau, ich gehöre zum Inventar des Kiezes. Ich bin 1995 mit meinen Eltern hergezogen. Wir haben hier Gewalt hautnah erlebt und, dass – ich sag mal – Fremde, die dem Kiez nicht zugehörig sind, auch mal schnell Schwierigkeiten hatten. Im Laufe der Jahre konnte ich aber durch das Vertrauen der Jugendlichen und einer klaren Abgrenzung zur Gewalt erkennen, dass es nur eine Handvoll Jugendliche waren, die für diese Unruhe gesorgt haben.

Die Polizei hat leider keinen Unterschied gemacht zwischen Bewohnern, Kindern und Schwerverbrechern. Sie wurden alle gleich behandelt und zwar wie Schwerverbrecher. Ich erinnere mich an eine Aktion, die für mich ausschlaggebend war, hier am Spielplatz direkt neben der SoKo 116. Da ist die Polizei an einem Tag mit zehn Mannschaftswagen angefahren, in voller Montur gekleidet – mit Helm und allem, was dazugehört. Ich vermute, sie wurden wegen einer Massenschlägerei mit Waffen gerufen. Da war aber nichts, da waren nur die Kinder und Jugendlichen auf dem Spielplatz. Die Polizisten haben die Gelegenheit genutzt und haben alle von klein bis groß kontrolliert. Ich erinnere ich mich noch an das Bild, wie zehn Jugendliche an die Wand gedrückt auf übelste Weise kontrolliert wurden. Dann kam einer der Jugendlichen, der damals im Kiez bekannt war, aber auch provokativ. Er nahm ein kleines Baby von einer Mutter, ging zu einem Polizisten und sagte: „Hier, den haben sie vergessen.“

Damit war für mich klar, so geht es nicht weiter. Ich bin jemand, der immer versucht etwas zu verändern, indem du das Gespräch suchst und dann eine Möglichkeit für einen besseren Umgang miteinander findest. Mit diesem Ansatz bin ich zum Polizeiabschnitt gegangen: Die Geburtsstunde vom KbNa. Dort habe ich wundervolle Menschen kennenlernen dürfen. So wie Ecki, der diesen Gedanken unterstützt hat. Trotz Widerständen.


QM Soldiner: Wie war die Situation für die Polizei zu der Zeit?

Ecki: Der Begriff „No-Go-Area“ war damals in allen Zeitungen vertreten. Keiner wollte in den Soldiner-Kiez, der verschrien und verrufen war. Nicht umsonst kam das Quartiersmanagement auch in diesen Bereich. Für die Polizei war das eine große Herausforderung, man wusste nicht, wie man hier vorgehen sollte. Es wurde ein Abschnittsleiter geschickt, der durchgreifen sollte und wollte, aber mit Repression. Er wollte jeglichen Widerstand im Keim ersticken und hatte das auch von seinen Kollegen im Abschnitt zu verlangen. „Hier gibt es keine Toleranz, hier wird hart durchgegriffen und jeder wird durchsucht“. Das war eine Weisung auch von oben, von der Polizeiführung.

Beamte durften nicht mehr alleine durch die Straßen laufen, es durfte kein Funkwagen mehr alleine in Einsätze fahren. Es gab nämlich auch fingierte Einsätze, bei denen die Polizei in Fallen gelockt wurde, wo Beamte überrascht und mit Steinen oder Eiern beschmissen wurden. Wir hatten einmal einen schwer verletzten Polizisten, der mit einer Eisenstange in den Hals verletzt wurde. Es war ein Katz und Maus Spiel, es war ein Feindbild und es wurden immer die geschlossenen Einheiten rangeholt, die für Ruhe sorgen sollten, die die Sache am Ende aber nur dramatisiert und verschlimmert haben.

Dann kam Yousef zum Abschnitt. Ich war zuständig für den Bereich Soldiner Kiez und in meiner Dienstgruppe erzählte er von den vorherrschenden Zuständen. Ich konnte das natürlich aus eigenen Erlebnissen und den Schilderungen meiner Kollegen genauso wiedergeben, aber wir wollten einen anderen Weg beschreiten, einen Weg der Prävention und nicht der Repression. Damit bin ich ins Kreuzfeuer meines Abschnittsleiters geraten, der das überhaupt nicht gut fand, der überall, wo es ging, Steine in den Weg gelegt und versucht hat, das zu unterbinden. Wir wussten damals, wir können das alleine nicht schaffen, wir müssen uns Unterstützung von oben suchen, zum Beispiel vom Bezirksbürgermeister. Christian Hanke war ein toller Wegbereiter, der uns geholfen hat. Aber auch der Direktionsleiter der Direktion 3, damals Michael Krömer, hatte dieses Projekt unterstützt.

Yousef hatte die Idee, dass wir gemeinsam mit uniformierten Polizisten aus der Dienstgruppe und den Jugendlichen im Kiez wöchentlich gemeinsame Aktionen durchführen. Vom Fußballspielen über Backen, Klettern und Ausflüge waren der Aktivitäten keine Grenzen gesetzt. Yousef war zu der Zeit als Honorarkraft in einem Jugendklub angestellt, wo er sich mit den Jugendlichen schon darüber unterhalten hatte. Man sollte es nicht glauben, aber das Interesse war groß bei den Jugendlichen. Ich war wirklich erstaunt, als sie das erste Mal alle zum Fußballspielen in die Sporthalle der Carl-Krämer-Grundschule kamen. Ich muss sagen, vom ersten Tag an lief es problemlos.

Auch mit dem Quartiersmanagement hatten wir von Anfang an ein gutes Verhältnis und wurden in den ersten Jahren finanziell gefördert.

Yousef: Es gab aber von Seiten einiger Einrichtungen Zurückhaltung und wenig Unterstützung, weil die Brisanz zu groß war. Im Laufe der Jahre, haben wir viele Türen geöffnet, weil sie gesehen haben, wie gemeinsame Aktionen Beziehungen öffnen, durch etwas, was wir mögen und was Spaß macht – ob es Fußball oder Backen ist.

Die erste Institution, die auf den Wandel im Kiez aufmerksam geworden ist, war das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Nürnberg. Sie haben sich das hier vor Ort angeschaut und haben uns für unsere Arbeit den ersten Platz für Extremismus- und Gewaltprävention gegeben. Wir konnten nachweislich sehen, dass die Angriffe gegenüber Polizisten komplett zurückgegangen sind. Das hat gezeigt, dass diese Art von Prävention schöne Früchte getragen hat. So sind wir das erste Mal in den Medien aufgetreten und so wurden wir auch in der Politik bekannt.

Weil sie mit involviert war, ist dadurch auch die US-amerikanische Botschaft auf uns aufmerksam geworden. Sie haben fünf Personen von uns nach Los Angeles eingeladen, um das Projekt vorzustellen. Dort durfte ich den ehemaligen Sicherheitsberater von Obama kennenlernen, der gefragt hat, wieso dieses Projekt nicht längst ein Projekt der Länder geworden ist.

Lisa: Der Soldiner Kiez in L.A. als gutes Vorbild.


QM Soldiner: Und das alles ehrenamtlich?

Yousef: Genau, es war damals und ist immer noch ehrenamtlich. Es wurde aber schnell klar, dass wir aus rechtlichen Gründen eine gemeinnützige Einrichtung, ein Verein, werden müssen.

Lisa: Die Anfragen kamen schließlich auch aus anderen Bereichen Berlins, zum Beispiel in Neukölln nach den gruseligen Silvesteraktionen 2022/23.

Yousef: Die High-Deck-Siedlung. Dafür hat uns Polizeipräsidentin Slowik kontaktiert.

Ecki: Ja, [nach dem Motto]: Ihr habt es im Soldiner Kiez geschafft, ihr werdet es auch in Neukölln schaffen. Es war wirklich das gleiche, das Katz und Maus Spiel von beiden Seiten.

Yousef: Wir waren dort im Jugendclub herzlich willkommen, aber die Polizei nicht. Also mussten wir die Strategie ändern: Direkt an die Jugendlichen, ohne Einrichtung, mit ein paar Persönlichkeiten im Kiez, sprich: Auch Influencer, die eine Bekanntheit und großen Einfluss haben, Zahide zum Beispiel.

Lisa: Die Polizei wurde nach der Aktion von Anwohnern gefragt, ob irgendwelche Leute ausgezogen seien, weil Silvester so ruhig war, dass es unheimlich wurde. Am Ende ist es die Geschichte von Menschen, die bereit dazu waren zu sagen: Prävention statt Repression. Beziehungsarbeit zu leisten, auch von staatlicher Gewalt aus. Das ist eine Geschichte von 17 Jahren, die nur von Erfolg gegründet ist. Zum Beispiel als du, Yousef, im Sommer 2025 das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen hast, das ich auch am Ecki hängen sehe.

Yousef: Wir sehen optisch vielleicht anders aus, aber wir sind eins.

Ecki: Wir haben uns noch nie gestritten. Wir haben immer dieselbe Taktik, Strategie und Gedankengänge. Deswegen klappt das auch so gut seit 17 Jahren.

Yousef: Das muss ich nochmal betonen. Ich habe immer gesagt, ich nehme Auszeichnungen stellvertretend an, denn es ist eine Arbeit, die Ecki ganz groß zu verdanken gilt, weil er der erste war, der den Widerstand in seiner Behörde alleine ausgehalten hat. Der mit all seiner Kraft dagegen gekämpft und die Arbeit neben seinen anderen Aufgaben durchgeführt hat. So habe ich mit der Bezirksverdienstmedaille, beziehungsweise dem Bundesverdienstkreuz, immer gesagt, für mich ist es das Verständnis einer Stellvertretung, die ich im Rahmen des kiezbezogenen Netzwerkaufbaus annehme, weil das eine Sache ist, die wir gemeinsam geschafft haben. Und ich muss Ecki in dem Fall höher setzen, weil er dafür gesorgt hat, dass der KbNa noch lebt. Das ist nicht selbstverständlich. Ein Bundesgruppenleiter der Polizei hat viel Verantwortung, viel Arbeit.


QM Soldiner: Lisa, was ist deine Rolle im KbNa?

Lisa: Ich bin seit Februar 2026 die erste Angestellte vom KbNa e.V., weil in den vergangenen Jahren niemandem entgangen ist, dass die Konflikte vor allem religionsgebundener wurden, sprich, der Antisemitismus wieder Blüten treibt. Und das Thema Israel und Palästina die Gräbenkämpfe hier wieder hat aufflammen lassen. Eine Form von Gewalt, die ganz anders bezogen ist und auch demokratiegefährdend Einzug hält, weil die Menschen von rechts schnell sagen: „Die brauchen wir in unserer Gesellschaft nicht, die gehören alle raus.“ Entweder weil sie Palästinenser sind oder weil sie jüdischen Glaubens sind.

Es entstand die Idee, diese Erfahrung und dieses Wissen, dass Beziehungsarbeit das A und das O ist, auch in diesem Bereich zu erweitern. Dafür hat der Verein von 2026 bis 2028 beim Senat das Projekt „Dialog in Bewegung“ genehmigt bekommen. Es geht unter anderem darum die Erfahrung aus der Arbeit in den Jugendclubs, auf den Straßen und innerhalb der Polizeidienstgruppen in die jüdische Community hineinzutragen, die zurecht isoliert ist mit dem Gedanken, sich zu schützen. Ich komme aber aus dem Bereich Geldschätzung, Kommunikation und konstruktive Konfliktlösung. Projektmanagement kann ich nicht. Das macht Yahya Yahyayew, der selbst aus der jüdischen Community kommt und uns vorher schon unterstützt hat.

Yousef: Institutionen, zu denen wir durch ihn zusätzlich Kontakt bekommen haben, waren Makkabi, der Zentralrat der Juden und die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland. Dafür schätzen wir Yahya sehr und sind dankbar, dass sie jetzt auch mit uns kooperieren wollen.


QM Soldiner: Wie sucht ihr eure Kooperationspartner aus? Gilt „wer immer auf uns zukommt, mit dem finden wir einen Weg“?

Yousef: Grundsätzlich sind wir erstmal für alle offen, aber dann schauen wir uns die Einrichtungen genau an. Klar, wir haben sensible Einrichtungen mit im Netzwerk. Deswegen müssen die Werte, die Haltungen, die wir in unserem Verein haben, von allen Einrichtungen getragen werden. Das ist das A und O bei uns: Diese Toleranz, der respektvolle Umgang miteinander, egal welche Religion order Kultur. Es ist entscheidend, dass die jeweilige Einrichtung sich in unserem Leitbild wiederfindet. Denn wir wissen leider auch, dass nicht alle dieses Miteinander fördern wollen. Wir haben in der einen oder anderen Einrichtung und Behörde schon gespürt, dass sie das unter Umständen nicht mittragen oder unterstützen. Aber um in den Genuss zu kommen, an unseren Projekten teilzunehmen, bedarf es mehr als ein reines Interesse zur Kooperation. Wir brauchen die Haltung dahinter.

Wenn das Leitbild als Kooperationsgrundlage gegeben ist, sind natürlich alle herzlich willkommen, um für ein besseres Miteinander zu sorgen. Denn wir leben auch – und das ist letztendlich das Entscheidende – von Multiplikatoren, die selbst nicht wissen, dass sie Multiplikatoren sind. Dadurch, dass sie ihre Erfahrungen bei unseren Aktionen sammeln und diese Erlebnisse an ihre Freundinnen und Familien weitertragen, entwickeln wir über die Multiplikatoren ein bestimmtes Bild bei anderen Personen und zwar den Abbau von Vorurteilen.

Ein Beispiel: Viele Personen haben schon Vorbehalte, obwohl sie selbst noch nie eine negative Erfahrung mit der Polizei gesammelt haben. Stattdessen hören sie von irgendwelchen dritten Personen und haben sofort ein Bild für sich selbst entwickelt. Durch diese positiven Erfahrungen, die Multiplikatoren bei unseren Aktionen sammeln und an ihr eigenes Umfeld weiterleiten, wirken wir dagegen an und sorgen dafür, dass es Fürsprecher gibt, die diese Vorurteile im Vorfeld abbauen.


QM Soldiner: Die Aufmerksamkeit, die ihr durch das Bundesverdienstkreuz und die anderen Auszeichnungen erhaltet, hilft sicherlich auch dabei neue Partner*innen zu finden.

Ecki: Das öffnet viele Türen, das stimmt.

Yousef: Wir haben schon viele Auszeichnungen bekommen, unter anderem die Bezirksverdienstmedaille, aber ich muss sagen, das Bundesverdienstkreuz war nochmal ein – wie sagt man [in der Jugendsprache], ein „Banger“. Das hat einen ganz anderen Einfluss auf die Einrichtung, denn wenn eine Institution Bundesverdienstkreuzträgerin ist, begegnet man ihr anders, auch ohne sie vorher zu kennen. Das ist viel, viel besser für uns.

Ecki: Bevor die Auszeichnung vergeben wird, wird man nämlich tiefgeprüft.

Yousef: Und wir haben das „Bundesverdienstkreuz am Bande“, was eine höhere Stufe ist.


QM Soldiner: Welche Formen der Unterstützung helfen euch noch?

Yousef: Unsere Arbeit zu verkünden und an andere weiterzuleiten ist noch wichtiger ist die Auszeichnung. Wir brauchen mehr Akteure, die über den Verein und seine Arbeit sprechen, damit mehr Menschen davon mitbekommen und die Möglichkeit haben, uns zu kontaktieren oder mit uns Aktionen durchzuführen.

Lisa: Erst jüngst habe ich realisiert, dass über die letzten Jahre viele Bachelor-Arbeiten über das Ziel und die Ergebnisse unserer Arbeit verfasst wurden. Die Arbeiten bieten einen wissenschaftlichen Boden, um zu sagen: Den Erfolg kann man wissenschaftlich nachweisen. Da wurde eine wissenschaftliche Methode angewandt, um herauszufinden, wie es den Menschen im Kiez geht und wie sich dies und jenes verhält. Dieses Bewusstsein, dass jede Form von Belegbarkeit weiterhilft, kommt jetzt nochmal dazu, um zu zeigen: Das erzählen wir nicht nur, sondern das können wir nachweisen.

Es ist im Grunde genommen diese Expertise, dass Beziehungsarbeit das A und das O ist. Ich sage immer gerne: „Bildung durch Begegnung“. Denn es ist ein Stück Bildung, die zwischen den Einzelnen entsteht. Auch junge Polizisten machen neue Erfahrungen, die sie in der Ausbildung sonst nicht gemacht hätten. Andere Unterstützer sehen das und sprechen uns eine unglaubliche Expertise im Vorfeld zu. Ich gehe davon aus, dass wir unsere Arbeit weiterhin wissenschaftlich begleiten lassen werden. Wie Yousef vorhin sagte, gucken wir mit dem Projekt hinaus in die Welt. Es wird größer und wir müssen auch mitwachsen. Was müssen dieses Wachstum annehmen, aber was es für den Verein bedeutet, ist schon spürbar. Es braucht Kraft.

Ecki: Es braucht viel, viel mehr Arbeit. Wir sind noch mehr gefordert als vorher.


QM Soldiner: Ihr seid also innerhalb Berlins und darüber hinaus unglaublich gut vernetzt. Was macht den Soldiner Kiez besonders? Was seht ihr hier, was es woanders nicht gibt?

Yousef: Vielfältigkeit.

Ecki: Und die Herzlichkeit. Der ist so liebenswert der Bezirk. Die Menschen sind mir hier wirklich ans Herz gewachsen.

Yousef: Was ich im Soldiner Kiez so hervorhebe, sind die Einrichtungen nebeneinander: Hier ist eine Moschee, gegenüber ist eine Kirche. Hier ist das Quartiersmanagement, da ist ein Jugendclub und schräg gegenüber eine Grundschule. Die Einrichtungen, die du sonst nicht unbedingt alle in einem Viertel hast, sind zentral nebeneinander. Und eben die Vielfältigkeit: dass du verschiedene Kulturen an einem Fleck hast, mit verschiedenen Nationen. Das ist der besondere Erfolg, dieses Multikulti, was man hier wirklich erlebt und sehen kann. Das finde ich sehr besonders.

Ecki: Es sind Kulturen, die zusammenhalten können. Die sich gegenseitig helfen und nicht feindlich gegenüberstehen. Es ist so eine riesige Vielfalt und doch sind alle miteinander vertraut und verwurzelt. Das haben wir auch mit veranlasst. Es gab zum Beispiel eine Kirche mit einer Moschee um die Ecke, die sich gegenseitig nicht kannten, bevor wir sie an einen Tisch gebracht haben. Das haben wir bei vielen Trägern im Kiez geschafft. Unsere Kernaufgabe, den Netzwerkaufbau, haben wir im Soldiner Kiez viele Jahre praktiziert und ich denke, das läuft bis heute noch. Es ist heutzutage eine Selbstverständlichkeit, dass man sich kennt und dass man gegenseitig zu Veranstaltungen eingeladen wird. Ich sage immer: „Wow! Könnt ihr das alles fassen?“


Im Oktober 2026 ist der KbNa-Cup aus dem Soldiner Kiez einmalig nach Moabit gezogen: Grund dafür sind die rekordverdächtigen 26 Teams, die sich in diesem Jahr angemeldet haben und mehr Platz als sonst benötigen. Die Teams aus ganz Berlin decken neben Gruppen der Polizei und Jugendvereinen aus dem Soldiner Kiez, wie die SoKo 116, auch Teams von Hochschulen ab und zum ersten Mal sind auch vier jüdische Mannschaften dabei.

Ein besonderer Gast beim 16. KbNa-Cup ist der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegener. In seinem Grußwort betont er die Kraft des Sports. „Sport verbindet. Er ist der Kitt unserer Gesellschaft“, stellt er entschieden fest und wendet sich persönlich an den Mitgründer des KbNA, Yousef Ayoub: „Es braucht Menschen wie dich, es braucht Menschen mit Ideen“. Mit seinen Worten appelliert er schließlich an den Zusammenhalt der Berliner*innen, die es verbinde, dass Berlin ihr Zuhause sei.

Diese Verbundenheit wird im Laufe des Turniers deutlich. Nach einem aufwändigen Bühnenprogramm mit Tanzgruppen und Musikbeiträgen, geht es ans Eingemacht und die Teams werden auf ihre ersten Spiele verteilt. Die jüngeren Kinder bekommen ihren eigenen Platz, die etwas älteren Jugendliche und Erwachsenen spielen direkt nebenan.

Bei einem der Spiele beobachtet ein junger Teilnehmer, der noch auf seinen Einsatz wartet, die Teams und analysiert nüchtern: „Die spielen beide egoistisch.“ Ecki stimmt ihm zu, ruft laut über den Platz und weist die Teams dazu an, auch auf Fairness zu achten – für die gibt es beim KbNa-Cup nämlich extra Punkte und Pokale.

Die Stimmung ist ausgelassen und von der gemeinsamen Freude am Sport geprägt, ganz ohne Vorurteile. Vor allem die Kinder können es zu Beginn des Turniers kaum abwarten, endlich miteinander auf dem Feld spielen zu dürfen. Währenddessen freuen sich die Erwachsenen aufs freundschaftliche Turnier, aber auch auf ein Wiedersehen mit Kooperationspartnern und anderen Unterstützer*innen.

Im Interview sagte Yousef Ayoub: „Heute sprechen wir von einem Netzwerk mit vielen Partnern, die seit 17 Jahren Gewaltprävention und verschiedene Angebote interaktiv durchführen“ – der 16. KbNa-Cup ist auch in diesem Jahr der perfekte Beweis dafür

Text/Fotos: Kassandra Catrisioti-Forgione (Webredaktion)