„Too much gibt’s nicht“ – Drag Workshop mit dem Aktionsfonds
Ob für Millenials durch Serien wie RuPaul’s Drag Race oder Social Media Trends für Gen Z – die Kunst des Drags hat sich in der Popkultur mit ihren vielen Bestandteilen in unterschiedlichen Formen manifestiert. Die Mischung aus kreativer Performance, auffälligem Make-Up und bunten Kostümen fasziniert und macht neugierig. „Um ein Gefühl dafür zu bekommen: Was kann Drag überhaupt alles sein?“, hat das Team vom Prima Center Berlin (PCB) Jugendliche von 12 bis 15 Jahren zum „Drag’n’Roll“ Workshop eingeladen.


Finanziert vom Aktionsfonds des Quartiersmanagements Soldiner Straße/Wollankstraße durften sich die Teilnehmenden über zwei Tage hinweg mit Video, Performance, Make-up oder Kostüm ausprobieren. Begleitet und unterstützt von Lars alias MissSteak bekam die Gruppe Tipps direkt aus dem Alltag einer Drag Queen. Bevor die Teilnehmerin Laura diese Tipps und sich selbst mit Make-Up ausprobiert, gibt es am zweiten Workshoptag aber zunächst eine kurze Einführung in Filmeinstellungen. Lars arbeitet zwar hauptsächlich als Sozialarbeiter und mache viel Kreatives mit Jugendlichen, bringt als studierter Filmemacher jedoch einen ganzen Batzen an hilfreichem Wissen mit.
Danach geht’s ans Eingemachte: „Die Aufgabe beim Workshop ist eine Transformation“, erklärt Lars. Laura hat ihre Maske bereits am Vortag gebastelt. Nach einer kurzen Übung für mehr Selbstbewusstsein vor der Kamera stellt sie sich in Szene. Im ersten Bild performt sie mit ihrer Maske, die sie dann nah an die Kamera hält. Im Video wird sie nach einem Schnitt die Maske schließlich wieder von der Linse wegziehen und vor einer aufgehängten Pride-Flagge im selbstgewählten Drag Make-Up die Transition vollenden.

„Too much gibt’s beim Drag nicht“, verkündet Lars, als sich die beiden Schminken. Während Lars als MissSteak das Performen am liebsten mag, stellt Laura fest: „Hätte ich nicht etwas im sozialen Bereich gemacht, wäre es beruflich etwas mit Make-Up geworden. Es macht mir schon sehr viel Spaß.“ Deswegen sei sie auch beim Workshop. „Ich wollte mehr mit Make-Up ausprobieren“, erklärt sie zu ihrer Motivation, am Workshop teilzunehmen. Einige Tipps für Drag Make-Up bekommt sie aus der Erfahrung von Lars gleich mit: Ein Föhn trocknet den Augenbrauenkleber, der zum Abdecken und besseren Überschminken der Augenbrauen gebraucht wird, schneller. Kleine Haare rasiert Lars meistens großflächig weg, damit die Schminke besser hält.
Bereits am Tag vorher gab es eine Einführung in die Welt des Drag, bevor die Jugendlichen sich mithilfe von unterschiedlichen Utensilien wie selbstgebastelten Masken und zusammengestellten Kostümen die ersten Vorstellungen zu ihrer eigenen Drag-Persona machten. Gemeinsam entstand am Ende ein erstes Video, in dem sie performen und ihre Kostüme präsentieren. Die Kostüme seien etwas gewesen, worauf sich alle einlassen konnten. Film und Make-Up eher weniger, berichtet das Team vom Prima Center Berlin. Und trotzdem war mit dem Basteln von Masken, Film, Schminke und Performance für alle etwas dabei.
„Mindestens eine Person haben wir gut erreicht“, erzählt das Team des PCB stolz. Die erste Anfrage für einen weiteren Workshop gab es aus der Gruppe nämlich bereits. Wer das PCB nur als Zuschauer*in besuchen möchte, kann sich auf die kommende Ausstellung freuen: Vom 16. bis 31. Oktober widmet sich die Ausstellung „Šokiraš me, majke mi!“ der außergewöhnlichen Rockszene Sarajevos zwischen 1980 und 1992.
Text/Fotos: Kassandra Catrisioti-Forgione (Webredaktion)
