Kostbare Grünflächen – Kiezspaziergang mit Bezirksstadtrat Christopher Schriner

Grünflächen sind zwar ein wesentlicher Bestandteil des öffentlichen Raums in unserem Kiez, viele öffentlich zugängliche Anlagen sind allerdings nicht wirklich zu finden. Welche Arten des Grüns gibt es überhaupt bei uns und wie begegnen wir uns dort? Wie verändern sich diese Orte in den kommenden Jahren? Rund um diese Fragen drehte sich der diesjährige Kiezspaziergang in der Bezirksregion Osloer Straße mit dem Bezirksstadtrat für Ordnung, Umwelt, Natur, Straßen und Grünflächen, Christopher Schriner.

Gemeinsam mit der Stadtteilkoordination Osloer Straße, der Sozialraumorientierten Planungskoordination des Bezirksamts Mitte und dem Büro für Bürger*innenbeteiligung waren Nachbar*innen und Interessierte Anfang September eingeladen, sich einen Nachmittag lang nur den Grünflächen im Kiez zu widmen. Die Stationen und Themen: die geplante Pankerenaturierung am Franzosenbecken, die alternative Nutzung von Grünflächen auf Friedhöfen beim ElisaBeet und zuletzt die sich verändernde Begräbniskultur auf dem muslimischen Teil des Sophien-Kirchhof III. 

Die Panke soll aufgrund der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie mehr natürlichen Raum bekommen. Das wird häufig auch als Renaturierung der Panke bezeichnet. Im Mittelpunkt der Arbeiten stehen außerdem die bessere Nutzung durch die Berliner Bevölkerung, ökologische Aspekte und auch die Sicherheit bei Hochwasser. Lars Heymel von der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt ist für all das zuständig und erzählt beim Spaziergang von den ersten Erfahrungen des Prozesses rund um den nördlichen Teil der Panke in Buch (Pankow). Hier im Kiez beginnen die Bauarbeiten nach aktuellen Plänen ab 2032. 

Kiezspaziergang, Franzosenbecken

Das Franzosenbecken dient als sogenanntes Hochwasserückhaltebecken in erster Linie besonders bei sommerlichem Starkregen dem Hochwasserschutz und gilt damit eigentlich nicht als Grünfläche. Das Hauptziel bei diesem Teil der Panke bestünde vor allem darin, den Kanal für Fische lebenswerter und für die Bevölkerung schöner zu gestalten, erklärt Heymel. Dafür müssten die Rückhaltebecken besser genutzt werden. Da die Panke in unserem Kiez eine der letzten Stellen sind, an denen man ökologisch, wasser- und freizeittechnisch grundlegend etwas verbessern kann, soll hier der Verlauf der Panke verändert werden, ohne dass wichtige Wege für die Anwohner*innen verloren gehen. Dafür sollen unter anderem Flussschleifen ergänzt, der Damm ausgebaut und der Deich abgetragen werden, während in dem Becken selbst wegen Orchideen und ökologisch wichtigen Feuchtwiesen keine Eingriffe vorgenommen werden. Die positiven Auswirkungen dieses Vorhabens könne man in Buch bereits gut beobachten. Dort entwickelten sich die Flussauen mit ihrem neuen Freiraum aktuell besonders weit, berichtet Heymel. Das Bauvorhaben an der gesamten Panke wird vermutlich 2035 fertig gestellt. Dann sollen sich über das Nordhafenbecken Fische aus Spree und Havel wieder in der Panke ansiedeln können – Heymel spricht von bis zu 15 Arten.

Die Anwohner*innen nutzen die Gelegenheit in der Zwischenzeit auch dafür, um nach der geschätzten Fußgängerbrücke zur Stockholmer Straße zu fragen. Obwohl ein genaues Datum noch nicht feststeht, bemühen sich Senat und Bezirksstadtrat die Anwohner*innen zu beruhigen, da die Brücke im Vergleich zu anderen Orten in Berlin immerhin bereits in Planung sei, mit frühestem Baubeginn im vierten Quartal 2027. Das grundsätzliche Problem sei jedoch, dass es zu wenig Geld und Ingenieur*innen für zu viele marode Brücken gebe. „Wenn an einer Brücke geplant wird, ist das schon mal ein gutes Zeichen“, heißt es.

An der nächsten Station, dem ElisaBeet auf dem Sankt-Elisabeth Friedhof II, trifft die Gruppe des Kiezspaziergangs auf Vertreter*innen des Evangelischen Friedhofverbands, die für insgesamt 46 Friedhöfe in der Stadt zuständig sind. Im Falle der Fläche des ElisaBeets wurde bereits vor mehreren Jahren entschieden, dass sie langfristig nicht mehr für Bestattungen in Betracht gezogen wird. Heute denkt der Friedhof gar darüber nach, die Fläche noch ein wenig zu vergrößern. Grund für den Wandel sei eine erhöhte Anzahl von Urnenbestattungen statt mit dem Sarg, sodass viele Freiflächen zur Verfügung stünden. Um die könne sich der Friedhofsverband allerdings nicht alleine kümmern, weil Geld durch Bestattungen fehle, wie die Vertreter*innen des Verbands darlegen. Doch egal in welchen alternativen Formen die freiwerdenden Flächen zukünftig betrieben werden, „es sind und bleiben Friedhöfe – das steht an erster Stelle“, fassen sie zusammen und Bezirksstadtrat Schriener bestätigt, dass der Bezirk die Flächen nicht zubauen möchte. 

Anhand eines kurzen Raumspiels stellt das Büro für Bürger*innenbeteiligung der Gruppe schließlich Fragen zur Nutzung von Friedhofsflächen, bei der sich die Teilnehmenden auf einer imaginären Skala im Freien positionieren und ihre Standpunkte erläutern. Es wird deutlich, dass sich die Bedürfnisse der Menschen verändert haben und dass auch Friedhöfe sich unter Umständen anpassen könnten oder gar sollten. Dabei hat sich das Verhalten der Menschen im öffentlichen Raum grundsätzlich verändert – auch auf Friedhofsflächen. 

Mit den Denkanstößen der Gruppendiskussion wandert die Gruppe nun zum letzten Ort des Spaziergangs, dem muslimischen Begräbnisfeld auf dem benachbarten Kirchhof. Im Soldiner Kiez entstand das Feld 2023, als Flächen auf dem für Berliner Muslim*innen bis dahin zentralen Friedhof in Gatow knapp wurden. Es sei eine schöne Entwicklung, dass muslimische Bürger*innen ihre Angehörigen in Berlin und nicht, wie früher üblich, im Ausland beerdigen wollten. Dabei sollten sie nicht den weiten Weg nach Spandau auf sich nehmen müssen und ihre Liebsten an einer angemessenen und zentralen Stelle des Friedhofs beisetzen können, vermitteln die Vertreter*innen des Friedhofs. Daher stellt der Friedhof auch einen rituellen Waschraum zur Verfügung, während die einzigen Unterschiede hauptsächlich in der Ausrichtung der Gräber nach Mekka und bestimmten Vorgaben zu Abständen zwischen den Gräbern bestünden. „Extreme Anforderungen werden nicht gestellt“, stellen sie abschließend fest. Bezirksstadtrat Schriner berichtet zum Schluss noch von einem gesonderten runden Tisch des Senats für muslimisch-alevitische Bestattungen, der regelmäßig tagt. Die Entwicklungen in der Nutzung öffentlicher Flächen reicht also vom Kiez bis in die Landesstrukturen und wird bei uns im Kiez besonders an der Panke rund um das Franzosenbecken und auf den Friedhöfen zu beobachten sein.


Text/Fotos: Kassandra Catrisioti-Forgione (Webredaktion)