Vom Brachland zum modernen Spielplatz

Der Eingang, ein altes Eisentor, hinter dem zwei skurrile Statuen die Besucher*innen begrüßen, erinnert eher an einen privaten Friedhof als an eine öffentliche Grünfläche. Doch wer mutig ist und sich auf eine kleine Entdeckungstour begibt, stößt auf eine weitläufige Parkanlage, die sich im Hinterhof der anliegenden Wohnhäuser erstreckt, je weiter man an den Figuren vorbeiläuft. Ein schier endloses Gelände mit einem Bolzplatz, reichlich Grün und einem Spielplatz für Kinder, dessen Spielgeräte jedoch marode sind und einen recht vernachlässigten Eindruck machen. Dies ist wohl nur einer der Gründe, weshalb dieser Ort im Kiez, außer unter den unmittelbaren Nachbar*innen der Biesentaler Straße 7, kaum bekannt ist.

Dabei gibt es genug Gründe dies zu ändern, findet auch das Büro für Kinder und Jugendliche in Berlin Mitte (KJBM). Das KJBM – eine Kooperation des Moabiter Ratschlag e. V. und des Bezirksamtes Berlin Mitte – setzt sich im Bezirk für die Umsetzung der Kinder- und Beteiligungsrechte ein. Der Auftrag, junge Menschen an der Umgestaltung der Spielfläche zu beteiligen, basiert unter anderem auf das Kinderrecht (Art. 12) der „Berücksichtigung des Kinderwillens“, welches festlegt, dass alle Kinder in Angelegenheiten, die sie betreffen, gehört und beteiligt werden müssen. Janine Rittel vom KJBM erklärt, dass die Kinder und Jugendlichen also im Grunde bereits dann angehört werden müssen, wenn allein die Idee besteht, einen Ort umzugestalten, an dem sie sich in der Regel aufhalten – dazu gehört auch die anvisierte Umgestaltung der Biesentaler Straße 7. 


„Kinder haben das Recht, zu allen Dingen, die sie betreffen, ihre eigene Meinung zu sagen. Die Erwachsenen müssen die Meinung der Kinder berücksichtigen. Besonders, wenn ein Kind an einem Gerichtsverfahren beteiligt ist, hat es das Recht, dass seine Meinung berücksichtigt wird.“

UN-Kinderrechtskonvention, Artikel 12, umgeschrieben für Kinder


Das Büro des KJBM befindet sich im Haus der Jugend Mitte am Nauener Platz. Von hier aus werden alle Projekte und Prozesse für den Bezirk koordiniert. Dazu gehören verschiedene Gremien, in denen die Menschen aus dem KJBM die Interessen mit und für junge Menschen vertreten und einbringen. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene müssen bei allen Entscheidungen, die sie und ihre Lebenswelt unmittelbar betreffen gehört und einbezogen werden. „Allein unser Da-Sein [in bestimmten Sitzungsrunden] ist Teil unseres Auftrags“, fasst Janine zusammen. Durch diese Vielzahl an Gremien, denen das KJBM beisitzt, kommt es immer wieder zu Kooperationen mit unterschiedlichen Fachbereichen des Bezirks und weiteren Akteur*innen.

So ist auch beim Beteiligungsprozess in der Biesentaler Straße neben dem KJBM das Straßen- und Grünflächenamt (SGA) des Bezirksamt Mitte vertreten, während die finanzielle Unterstützung aus dem Baufonds des Quartiersmanagements Soldiner Straße/Wollankstraße erfolgt. Die Beteiligung wurde so organisiert, dass die Ideen und Anregungen von allen Altersgruppen in drei Stufen offen aufgenommen werden, damit sie sich gemeinsam an diesem Ort aufhalten können. 

Mit an die jeweiligen Altersgruppen angepassten Beteiligungsformaten durften am ersten Tag der Beteiligung Kitagruppen und Grundschulklassen sowie Familien mit Kindern ihre Eindrücke zu dem Platz teilen. Die Kinder wurden spielerisch durch Erzählungen von Traumwelten und den Blick durch sogenannte „Kreativbrillen“ dazu inspiriert, sich Gedanken zu ihrem Wunschspielplatz zu machen. Schnell wurde deutlich: Der ruhige Ort an der Biesentaler Straße bietet trotz seiner Nähe zur Prinzenallee eine ruhige und im Gegensatz zu anderen Orten eine Berlin eine in erster Linie naturgeprägte Fläche. Julia Skiba, Praktikantin beim KJBM, erinnert sich lachend an einen Moment am ersten Beteiligungstag, als sie die Kinder im Kita-Alter fragte, was sie hier am liebsten spielten. „Kellerasseln suchen!“, lautete die prompte Antwort. 


Fotos: Büro für Kinder und Jugendliche in Berlin Mitte (KJBM)


Dennoch wurde im Gespräch mit den Eltern und Betreuer*innen einer gut vorbereiteten Kitagruppe, die ein Plakat mit Ideen mitgebracht hatte, klar, dass es an dem Platz nicht nur an Sauberkeit mangelt, sondern insbesondere an Bereichen für Kleinkinder, mit funktionierenden Spielgeräten und Toiletten für alle. Eltern kamen vorbei, um mitzuteilen, dass sie diesen noch recht unbekannten und maroden Ort auch mögen, da dieser dadurch nicht überfüllt ist und ihre Kinder etwas zur Ruhe kämen.

Bisentaler 7, KJB Mitte, Putte Remise

Anders verhielt es sich mit den älteren Kindern und Jugendlichen, die eine Woche später befragt wurden. Am hinteren Ende der Grünfläche steht nämlich eine alte Remise, die auch Heimat des nach ihr benannten Remise-Kinderjugendclubs ist. Im Grunde sind es vor allem die Besucher*innen der „Putte“, die mit diesem Platz vertraut sind, allein deswegen, weil sie ihn täglich auf dem Weg zu ihrem Jugendclub einmal vollständig durchlaufen müssen. Die Befragung erfolgte bei den älteren Kindern und Jugendlichen in erster Linie zwar durch ein (online) Formular, doch „die Idee ist, dass wir immer ins Gespräch kommen, damit ein längerer, begleiteter Austausch entsteht“, betont die bereits erwähnte Praktikantin Julia. In ebendiesen Gesprächen äußern die Jugendlichen mehrfach Unmut über den kaputten Boden des Basketballplatzes. Eine Mutter, die stellvertretend für ihre beiden Kinder vorbeischaut, übermittelt den dringenden Wunsch nach Abkühlung und neuen Spielflächen, zum Beispiel in Form eines Volleyballfeldes.

Was jedoch alle Altersgruppen gemein haben, ist die Vorstellung eines moderneren Spielplatzes mit einem einladenden Eingang, der auch das Bild eines öffentlich zugänglichen, ruhigen Zufluchtsortes vermittelt. Außerdem soll der Platz durch eine bessere Beleuchtung insbesondere für die dunklen Wintermonate sicherer werden. 

All diese Impulse werden nun in einen sogenannten Planungsauftrag übersetzt, den ein Landwirtschaftsarchitektenbüro schließlich in einen ersten Entwurf der Umgestaltung einarbeitet. Aufgrund des aufwändigen, mehrstufigen Prozesses ist frühestens Anfang Sommer 2027 mit den ersten Umbaumaßnahmen zu rechnen.

Text/Fotos: Kassandra Catrisioti-Forgione (Webredaktion)