Kiezveranstaltungen

Im Veranstaltungskalender sind alle künftigen Termine von QM-Projekten im Soldiner Kiez eingetragen. Hier stehen Berichte über zurückliegenden Veranstaltungen.

Gespräch über Müll in Theorie und Praxis

Stephan von Dassel und Lena Reich
Stephan von Dassel und Lena Reich mit Einladung zum ersten Geburtstag Müll Museum am 13. März. Foto Andrei Schnell
Schild
Schild zum Thema Müll. Foto Andrei Schnell
Einladung Müll Museum
Einladung zur Geburtstagsfeier des Müll Museums im Soldiner Kiez. Grafik Sabine Klopfleisch.

Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel und Lena Reich vom Müll Museum Soldiner Kiez reden über sachdienliche Hinweise, Rassismus, Sperrmülltage und Mieten. Am Freitag, 13. März, feiert das Müll Museum Soldiner Kiez ersten Geburtstag. Aus diesem Anlass trafen sich Stephan von Dassel und Lena Reich, um über ihre jeweilige Sicht auf Müll zu reden. Hier sind Teile des Gesprächs:

Belohnung für sachdienliche Hinweise

Stephan von Dassel: Wir im Bezirksamt haben an einigen Stellen probeweise entschieden, den Müll mit Absicht nicht abholen zu lassen. Wir wollen bei den Bewohnern und Bewohnerinnen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass sie uns auch helfen müssen. Wir sagen dann, schauen Sie, so sieht es nach vier Wochen aus, wenn Sie uns nicht helfen und uns informieren, wer das hingestellt hat. Wir überlegen sogar - mal sehen, was für einen Aufschrei das gibt - Belohnungen auszusetzen für sachdienliche Hinweise. Manche sagen, das ist Denunziation. Aber einen alten Kühlschrank raus zu stellen, das ist kein Kavaliersdelikt. Das ist zum Teil auch ein Umweltverbrechen, eine Straftat.

Müll und Rassismus

Lena Reich: Die Diskussion, so wie sie bei uns geführt wird, befeuert die soziale Spaltung, weil sie auf der Ebene des voneinander Abgrenzens funktioniert. Von wegen die Anderen sind schuld. Die Urweddinger sagen, das sind die Türken, und die Türken sagen, das sind die Araber, und die Araber sagen, das sind die Bulgaren, und die Bulgaren sagen, das sind die Rumänen. Es ist immer der Andere, der in der Sprache sehr fremd daherkommt. Andersartig. Das ist eine Art des Redens, wo der Müll selber als Sprachmüll auftritt. Und dass ist das eine sehr rassistische, sehr abgrenzende Sprache.

von Dassel: Haben Sie jetzt Sprachmüll gesagt?

Reich: Ja.

von Dassel: Ich muss sagen, dass ist ein sehr großer Bogen.

Reich: Aber ein wichtiger. Wenn es heißt, die Anderen, die sind Verursacher des Mülls, die sind dreckig, die können nicht richtig trennen.

von Dassel: Wenn ich mal eine Erfahrung beisteuern darf. Wir hatten lange das Problem, mit dem Grillen im Tiergarten. Gegrillt wurde in der Regel von migrantischen Gruppen und Familien. Da hieß es immer, dass so aussieht, wie es aussieht, hat eben auch etwas mit dem kulturellen Hintergrund zu tun. Und das ist aus meiner Sicht falsch. Denn wir haben am Spreeuferweg genauso viel Müll gefunden, verursacht durch Mitglieder eines ganz anderen Milieus. Nur mit dem Unterschied, dass statt Ayranverpackungen Sektflaschen weggeworfen wurden.

Reich: Manche Menschen leben auf Parkbänken, auch im Soldiner Kiez. Ich kenne viele, die aus dem Ausland kommen, die im Abriss unterwegs sind, auf Baustellen – und im Auto wohnen. Sie sind EU-Bürger und genießen ihr Recht auf Freizügigkeit. Aber sie sind in diesem Sinne in unserer Gesellschaft nicht anerkannt. Weil sie Roma sind, weil sie wohnungslos sind oder im Auto sind, weil sie sich anders verhalten als es die preußische Erziehung verlangt hat. Zu denen gesellt sich merkwürdigerweise immer wieder Müll, den jedoch nicht die Roma dahinstellen. Das habe ich mehrmals selbst gesehen.

Sperrmülltage – zweimal im Jahr?

Reich: Die Sperrmülltag sind in unserem Kiez bei den Leuten unglaublich gut angekommen. Das war eine total gute Aktion, weil man gesehen hat, dass alle mitmachen und es war ganz wichtig mal mit den Müllmännern ins Gespräch zu kommen.

von Dassel: Ich finde auch, dass die 2019 an einigen Ecken organisierten Sperrmülltage, super sinnvoll eingesetztes Geld sind. Wir haben festgestellt, dass danach die Straßen nicht so schnell wieder vermüllt waren, weil die Menschen etwas losgeworden sind. Wir können es uns natürlich nicht leisten, dass das alle sechs Wochen passiert. Der gewollte Nebeneffekt der Sperrmülltage in bestimmten Kiezen war, dass wir mit der BSR und der Landespolitik ins Gespräch kommen. Wir müssen mit der Entsorgung von Sperrmüll anders umgehen als bisher. Denn immer weniger Menschen besitzen ein Auto und gewisse Dinge sind einfach sperrig. Ich glaube, wenn die BSR einen Kalender herausgeben würde, auf dem steht, zweimal im Jahr ist Sperrmülltag, dass eine solche Organisation günstiger und preiswerter wäre, als das, wie das jetzt organisiert ist. Nämlich, die BSR kommt, holt das gemeldete Sofa von der Straße und drei Stunden später steht dort ein Stuhl, der dann erneut von der BSR abgeholt werden muss.

Frage: Ist die Ausweitung der Sperrmülltage bloß ein Wunsch?

von Dassel: Nein, da ist die Diskussion schon ziemlich konkret. Viele Beteiligte in Politik und Verwaltung wollen feste Sperrmülltage.

Über Dreck und Mieten

Reich: Was mir Sorgen macht: es gibt weniger Müll und gleichzeitig eine intensivere Diskussion. Da kann man fragen, warum wird ausgerechnet jetzt so heftig debattiert? Zu einem Zeitpunkt, an dem die Mieten steigen. Wer bleibt übrig, wenn alles sauber und schön ist? Wenn es so sauber ist wie in Mitte-Mitte. Dann können sich die Leute die Mieten nicht mehr leisten. Stellen Sie sich den Soldiner Kiez mal total sauber vor!

von Dassel: Ich wehre mich immer dagegen zu sagen, es muss ein bisschen abgerockt aussehen, weil sonst die Mieten steigen. Natürlich ist das Ziel von Politik, die Situation besser zu machen. Deswegen ist Aufwertung für mich überhaupt kein negativer Begriff. Wir wollen es besser machen! Wir wollen die Bildungsabschlüsse der Kinder besser machen, wir wollen die Grünanlagen besser machen, wir wollen die Servicequalität unserer Verwaltung besser machen, wir wollen die öffentliche Ordnung besser machen. Es widerspricht meiner Auffassung von sozialer Gerechtigkeit, damit die Mieten nicht steigen, wird kein Spielplatz gebaut.

Reich: Das wäre nicht die Konsequenz. Das eine würde ja nicht das andere bedingen. Die Frage ist, wie können wir es schaffen – gemeinsam! - dass die Leute bleiben und der Kiez in seiner Aufenthaltsqualität aufgewertet wird.

von Dassel: Das Instrument ist dann jedoch nicht, es nicht attraktiver zu machen. Das Instrument ist dann die Entwicklung einer Mietpreisbremse. Mietendeckel. Milieuschutzgebiet, Mieterberatung.

Reich: Die Leute beschäftigt ganz stark das Thema Müll. Im Müll Museum reden wir mit den Menschen über Müll. Da heißt es, der Hausmeister ist weg, das Facility Management kommt nur alle drei Wochen vorbei. Es gibt hier Häuser, die sind voller Kakerlaken.

von Dassel: Wobei: wir haben für öffentliche Gebäude Hausmeister und Helfer neu eingestellt.

 

Link zur Webseite des Müll Museums Soldiner Kiez

Das Gespräch führten die beiden am 24. Februar. Veröffentlichung am 10.03.2020

Echte Berufe zum Anfassen für Grundschülerinnen und -Schüler

Berufsmesse Berufsbilder Grundschule
Kinderfrage: Verlieren alle Tischler Finger bei ihrer Arbeit? Foto Andrei Schnell.
Berufsbilder Grundschule
Polizistin Bohnert beantwortete die Fragen der Schüler. Foto Andrei Schnell

Mehr als: Wie viel verdienst du? Was Kinder bei einer Berufemesse von Ärztin, Tischler, Polizistin, Fahrradmechaniker und Architektin wissen wollen.

Es wird laut an der Tür. Rund 60 Kinder sind zu hören, die sich vor der Tür der Aula der Andersen-Grundschule in der Kattegatstraße drängeln. Energie liegt in der Luft. Susanne Schulze-Jungheim, eine der Organisatorinnen der Berufsmesse am 30. Januar, ist sofort angesteckt. "Hallo, ihr Lieben", begrüßt die Theaterpädagogin die hereinströmenden Kinder und hat sofort deren Aufmerksamkeit. "Heute könnt ihr eine Ärztin, einen Fahrradmechaniker, einen Architekten, eine Polizistin und einen Tischler kennen lernen!" Und: "Habt ihr alle eure vorbereiteten Fragen dabei?"

Aufgeteilt in fünf Gruppen schieben sich die Grundschülerinnen und Grundschüler um die fünf Tische, an denen die Berufe vorgestellt werden. Beim Tischler dürfen die Kinder einen Nagel ins Holz schlagen, bei der Ärztin in ein Stethoskop hineinhören, der Architekt hat einen Laser zum Messen von Entfernungen dabei. Berufsbilder zum Anfassen.

Unter den vorbereiteten Fragen ist fast immer die nach der Höhe des Gehaltes. Interessant, dass Kinder diesem Punkt eine so hohe Bedeutung beimessen. Die Polizistin, die Präventionsbeauftragte Frau Bohnert, soll sagen, ob sie schon einmal geschossen hat. "Ja, ich weiß, das wollt ihr immer wissen", schmunzelt Bohnert, die regelmäßig Schulen besucht. Sagt dann aber ganz ernst: "Ja, ich habe schon geschossen, zum Glück bislang noch nicht direkt auf einen Menschen." Der Tonfall beeindruckt die Kinder, für einen Moment ist Stille. "Aber etwas anderes ist auch wichtig: Wenn jemand mit einer Pistole oder auch nur mit einem Messer vor mir steht," - sie betont das Wort Messer - "dann dürfte ich schießen."

Von der Ärztin wollen die Kinder wissen, ob sie zum Arzt geht, wenn sie krank ist. Nur auf den ersten Blick eine Kinderfrage. Der Architekt beeindruckt die Schülerinnen und Schüler mit seinem zeichnerischen Können. Der Tischler zeigt seine Hände vor. "Ein Splitter tut meiner Haut nichts, sie ist ganz hart." Auch sind noch alle zehn Finger dran. Oder doch nicht? Die Kinder betrachten die Hände genauer. Tatsächlich, da fehlt ein ganz kleines Stück von einer Fingerkuppe. "Da war ich nur einen Moment abgelenkt", sagt der Tischler ruhig.

Später bereiteten die Klassenlehrer und die Projektbetreuerinnen die Messe in den Klassen nach. In der 5. und 6. Unterrichtsstunde besprächen die Schülerinnen und Schüler das Gelernte. Sie arbeiteten an einer projektbegleitenden Berufe-Mappe.

Die Berufsmesse ist Teil des Projekts "Berufsbilder Grundschule - ich werd' was ich will". "Während mehrerer Projekttage geben wir spielerisch Einblick in verschiedene Berufe, sowohl traditionelle Handwerksberufe als auch moderne Berufe", heißt es in der Selbstbeschreibung des Projekts.

Organisiert wird das Projekt von Caroline Narr, die Geschäftsführerin der Memorialfilm UG ist. Aktuell betreuen das Projekt Josephine Links und Susanne Schulze-Jungheim. Das Projekt Berufsbilder wird über den Projektfonds des Quartiersmanagement mit Mitteln der Sozialen Stadt finanziert. Bis Dezember dieses Jahres können noch viele Grundschüler in die Welt der Berufstätigen schnuppern.

Link zum Projekt Berufsbilder. Mehr Fotos in einem Album auf Facebook.

14. Februar 2020

Was braucht der Soldiner Kiez

Was braucht der Soldiner Kiez
Grafik Quartiersmanagement

Was braucht der Soldiner Kiez? Und wer gestaltet seine Zukunft?

_ Wirksamkeit von Milieuschutz (Wohnen und Wohnumfeld)

Seit knapp einem Jahr ist der Milieuschutz im Kiez aktiv. Wie weit wirkt das Instrument Milieuschutz imSoldiner Kiez? Wo ist das im Kiez bisher erfolgreich? Wo scheitert es? Leider wissen bisher wenigMieter was der Milieuschutz ist und wie sie geschützt werden. Wie gedenkt der Ausschuss die Mieterbesser über Ihren Schutz aufzuklären (über die Mieterberatung hinaus)?

_ Schutz sozio-kultureller Einrichtungen (Nachbarschaft)

Wie werden sozio-kulturelle Einrichtungen im Soldiner Kiez vor Verdrängung geschützt?

_ Müll im öffentlichen Raum (Öffentlicher Raum)

…die Straßen und Spielplätze sind teilweise vermüllt und verwahrlost. Wie will der Ausschuss gegendie Verwahrlosung des öffentlichen Raums vorgehen?_ Nachbarschaftliches Verhalten im Straßenverkehr (Öffentlicher Raum)…die Gehwege und Straßen werden von Autofahrern teilweise missbräuchlich behandelt, Autosparken auf Radwegen und Verkehrsregeln werden an Hotspots missachtet. Wie will der Ausschussgegen die Verrohung im öffentlichen Straßenverkehr vorgehen? In wie weit wird der Ausbauausgewogener und verkehrsberuhigender Maßnahmen wie Zebrastreifen, längere Ampelphasen,Fahrradwege gedacht und umgesetzt?

_ Nutzung von Brachflächen (Nachbarschaft)

Wie können Zwischennutzungen unkompliziert und kurzfristig ermöglicht werden (öffentlich undprivat)? Beispiel Gotenburger Straße / Prinzenallee (degewo/nicht öffentlicher Raum)

_ Sprachbarrieren abbauen (Bildung, Ausbildung, Jugend)

Bei der Arbeit im Kiez fallen immer wieder Sprachbarrieren zwischen den Menschen an.Volkshochschulkurse finden im Kiez wenig anklang. Wie ist der Stand der Sprachcafés im Kiez?Welche Lösungen zum Abbau der Sprachbarrieren über Volkshochschulkurse und Sprachcafés sindfür den Soldiner Kiez geplant?

_ Sprachbarrieren überbrücken (Imageverbesserung und Öffentlichkeitsarbeit)

Der Kiez ist divers und spricht viele Sprachen. Viele Projekte wünschen sich mehrsprachige Flyer undWerbemaßnahmen um die Bürgerinnen zu erreichen. Wann besteht die Möglichkeit mehrsprachigeÖffentlichkeitsarbeit anzubieten?

Diese Wünsche und Bedürfnisse für den Soldiner Kier erarbeiteten Quartiersrat und Quartiersmanagement Soldiner Straße/Wollankstraße gemeinsam. Das Team des QM präsentierte sie dem Ausschuss Soziale Stadt der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) als dieser den Stadtteil vor Ort besuchte und sich am 30. September 2019 für eine Sitzung im Gebiet traf.

Drei Tage lang hieß es: Vorhang auf

Schneiderlein
Aufführung "Das tapfere Schneiderlein" im Projekt Kinder- und Familienfestival. Foto Projekt

Rückblick auf die Herbst-Kinder-Theatertage im Soldiner Kiez. Vom 28. Oktober bis 1. November gab es Theater für Kinder und Jugendliche und ihren Familien sowie Workshops.

Mittwoch, Donnerstag und Freitag (Ende Oktober) gab es ein dreitägiges Kinder- und Familienfestival, bei dem sich alles um internationales, mehrsprachiges und nonverbales pantomimisches Theater drehte. Aufgeführt von Schauspielern für Kinder und Familien wurden sechs Märchen. So konnten die Zuschauer für jeweils 50 Minuten in die Welt von "Der Froschkönig", "Das tapfere Schneiderlein" oder "Aladdin und die Wunderlampe" eintauchen.

Zum Programm gehörten auch theaterpädagogische Workshops. Bei diesen arbeiteten ausgebildete Theaterpädagogen mit Kindern nach der Galli-Methode. Das bedeutet, Teil der Workshops sind Bewegungsspiele, Ausdrucksspiele und Tanzreisen. Ziel der theaterpädagogischen Arbeit ist unter Anderem die Stärkung des Selbstvertrauens, des Sprachverständnisses und Ausdrucksvermögens, der Konzentration und des Rhythmusgefühls der teilnehmenden Kinder.

"Das Kinder- und Familienfestival im Soldiner Kiez bietet Begegnungsmöglichkeiten und Anlass zum Austausch", beschreibt Linda Strangmann vom Theater 28 ein Ziel des Festivals. Das Theater 28 in der Prinzenallee hat das Festival organisiert. "Es ist ein Anlass, der transkulturelle und generationsübergreifende Angebote, der Austausch, Kultur und Begegnung anbietet", heißt es in einer Beschreibung. 

Neben den klassischen Aufführungen im Theatersaal gab es auch Workshops für Kinder und Jugendliche.

Alle Veranstaltungen waren kostenfrei.

Für April 2020 ist eine Wiederholung des Festivals geplant. Dann wird es zusätzlich zu den Saalaufführungen auch Straßentheater geben.

Das Festival wird vom Quartiersmanagement Soldiner Kiez mit Mitteln der Sozialen Stadt über das Projekt "Familien- und Kulturfestival" gefördert.

Weitere Fotos unter Fotoeindrücke oder auf Facebook (auch ohne Registrierung einsehbar).

15. November 2019