Flucht in die Realität mit der Knobelbox / Projektstart

Artikel 1 e. V. entwickelt für und mit Kindern und Jugendlichen Rätselboxen. Diese werden durch den Soldiner Kiez touren und dazu verführen, mit spielerischen Aufgaben über große Fragen nachzudenken.

 

Straßenstand des Vereins Artikel 1. Foto: Artikel 1

Ein Meter lang und fünfzig Zentimeter breit ist eine der Knobelboxen, die der gemeinnützige Verein Artikel 1 Initiative für Menschenwürde entworfen hat. Noch wartet sie auf ihren Einsatz. Artikel 1 will mit ihnen im Soldiner Kiez in den nächsten drei Jahren Kinder und Jugendliche die großen Begriffe Demokratie oder Menschenrechte näherbringen. „Das klappt nicht abstrakt“, sagt Alexander Flügge vom Demokratieverein, „deshalb geht es um konkrete Fragen.“ Oder besser gesagt, es geht um Rätsel. Denn die Box ist eine Art Spiel, ein Knobelkasten. Sie ist wie eine Schatztruhe, die viele kleine Schatztruhen enthält. Erst muss die Startkiste geknackt werden, bevor weitere Kisten ihren Inhalt freigeben. Wobei der Inhalt nicht Gold, sondern ein Aha-Effekt, ein Erkenntnisgewinn ist. Das Spielprinzip folgt dem der russischen Matroschkas: Jedes gelöste Rätsel zieht eine weitere Knobelaufgabe nach sich. „Wir haben Erfahrung mit bestimmten Methoden“, sagt Alexander Flügge. Mit Memory- oder interaktiven Wissensspielen können die Kinder und Jugendlichen Zahlenkombinationen herausfinden und mit ihnen Zahlenschlösser öffnen. So können sie sich von Kiste zu Kiste vorarbeiten.

Ursprünglich hatte der Verein vor, eine Art Escape-Room-Spiel zu bauen. Bei diesen Spielen wird eine Gruppe eingeschlossen und muss sich durch das Lösen von Rätseln befreien. Nun hat Artikel 1 dieses Spielprinzip gewissermaßen auf den Kopf gestellt. „Statt sich irgendwo herauszuarbeiten, ist es bei der Box das Ziel, sich in ein Thema hineinzuarbeiten“. Und es gibt einen zweiten Unterschied: „Die Aufgaben verlangen nicht, um die Ecke zu denken. Wir glauben, die Realität ist komplex genug. Die Aufgaben werden von allein Lösungen haben, die man nicht erwartet“.

Nun sucht Artikel 1 Kooperationspartner. Aus Sicht des Demokratievereins könnten das Jugendeinrichtungen wie das Frisbee, Soko116, die Putte und ähnliche sein. Aber auch Grundschulen und der Medienhof in der Prinzenallee sind denkbare Partner. Die Zusammenarbeit soll mit der Abfrage beginnen, welche Themen sinnvoll sind. Denn die Box ist inhaltlich flexibel, sie kann an verschiedene Themen angepasst werden. Eine erste Erprobung der Box könnte bereits im September starten. Ab Frühjahr 2021 kann ein gemeinsam mit den Partnern entwickeltes Thema „verboxt“ werden.

Alexander Flügge beschreibt Artikel 1 als ein im Jahr 2015 gestarteten Verein, der von einem offenen Netzwerk aus Menschen gegründet wurde, die beruflich mit Kommunikation zu tun haben. Der Verein ist eine Antwort auf das Erstarken demokratiefeindlicher Kräfte und deren Angriffe auf die Grundwerte unseres Zusammenlebens. Seit dem Jahr 2015, indem ein starker Anstieg von Asylsuchendenden in Deutschland zu verzeichnen war, stellen diese Kräfte zunehmend eine Belastungsprobe für unsere offene Gesellschaft dar, so Alexander Flügge. Mit Kampagnen und Veranstaltungen setzt sich Artikel 1 nachhaltig für die Stärkung von Demokratie und den Schutz von Grundwerten und Freiheitsrechten ein.

Im Soldiner Kiez ist der Artikel 1 Träger des Projekts „Radikal respektvoll – Knobelboxen“. Das Quartiersmanagement fördert das Projekt über den Projektfonds mit Mitteln der Sozialen Stadt bis zum 31. Dezember 2022. Infos zu Artikel 1 Initiative für Menschenwürde e. V. fnden sich auf www.artikel-eins.de.

31. Juli 2020