Zwei Karten geben Aufschluss

Das Bezirksamt hat zwei Stadtpläne veröffentlicht. Einer zeigt alle Grundstücke, die sich im öffentlichen Besitz befinden. Sie zweite zeigt künftige Bauprojekte.

Zwei Karten

Zwei Karten geben Auskunft zu Landesvermögen und zu Bauplänen. Grafik: Bezirksamt

Plan der Pläne

Ein Stadtplan, der Baupläne zeigt. Das leistet die Karte "Bauvorhaben in Berlin Mitte" (zu finden hinter dem Stichwort "Städtebaulicher Rahmenplan Berlin-Mitte" auf der Webseite des Stadtrates für Stadtentwicklung Ephraim Gothe). "Der Wanderungsgewinn bewegte sich 2018 im achten Jahr in Folge auf einem Niveau von circa 40.000 Einwohnern jährlich", schreibt Ephraim Gothe als Einleitung zu dieser Karte. Gebaut werden muss also. Eine beigefügte Statistik zeigt, dass der Neubau von Wohnungen dem Zuwachs an Bevölkerung nur mühsam folgt. Dabei sind 14.000 Wohnungen in Mitte genehmigt, die aber noch nicht gebaut wurden. 1.800 neue Wohnungen haben die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften geplant oder gebaut.

Ein Blick auf den Ausschnitt Soldiner Kiez zeigt, dass es im Stadtteil auch künftig wenig Neubau geben wird. Als in Planung zeigt die Karte vor allem die Schließung der Lücken in der Straßenflucht in der Grüntaler Straße. Dort drehen sich bereits die Kräne. Lediglich die Stelle, wo heute noch der Club Kugelbahn steht, ist bislang nicht aufgewühlt.

Ebenfalls in natura noch nichts zu sehen, ist an der Ecke Gotenburger Straße und Prinzenallee. Hier ist ein soziales Wohnungsprojekt geplant. Bauherrin soll die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Degewo werden.

Jedoch im Wesentlichen ist der Soldiner Kiez grau dargestellt. Das heißt, es sind keine Neubauten geplant. Grund dafür ist, dass alle Flächen bereits vergeben sind, Baulücken sind Mangelware. Nur wer die fürs Stadtklima wichtigen Friedhöfe oder Kleingärten opfern mag, wird noch fündig.

Welche Grundstücke sind überhaupt städtisch?

Die wachsende Stadt ist wie eine S-Bahn, in die immer mehr Fahrgäste einsteigen: die letzten verbleibenden freien Sitzplätze werden immer begehrter. So geht es auch Stadtplanern und der interessierten Öffentlichkeit in Mitte. Die kommunalen Grundstücke werden knapp, doch die Anliegen nehmen zu. Da ist es hilfreich, im ersten Schritt überhaupt erst einmal zu wissen, welche Flächen für neue Schulen, landeseigene Wohnungen oder Grünanlagen überhaupt bereitstehen. "Allein der Bezirk Mitte muss bis 2030 rechnerisch acht neue Grundschulen und acht neue weiterführende Schulen bauen, geeignete Baugrundstücke haben wir derzeit nicht mal für die Hälfte", schreibt der Stadtrat für Stadtentwicklung Ephraim Gothe in der Einleitung der Karte "Flächenressourcen und die Bodenfrage".

Sie zeigt alle städtischen Grundstücke. Öffentliche Plätze oder kommunale Friedhöfe, Flächen im Besitz der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft oder des Liegenschaftsfonds - diese Karte gibt Auskunft. "Die Ergebnisbilanz überrascht: Wenn man alle Straßen- und Grünflächen, Grundstücke der bezirklichen Fachämter, des Senats und landeseigener Gesellschaften zusammen addiert, kommt man auf rund 55 Prozent der Gesamtfläche", so Ephraim Gothe.

Diese Tatsache deckt sich mit einem flüchtigen Blick auf den Soldiner Kiez auf diesem Plan. Fast alles ist bunt. Landeseigene Wohnungsbaugesellschaften besitzen viele Häuser rund um die Biesenthaler Straße. Große grüne Flächen verweisen auf Kleingärten. Viel Platz verbrauchen beige gefärbte Straßen. Und orangefarbene Flächen zeigen die Grundschulen im Kiez. Und dennoch spürt auch der Soldiner Kiez an steigenden Mieten und vollen Kitas, dass die öffentlichen Flächen nicht reichen.

Zu dieser Karte führt ein Klick auf das Wort Landesvermögen auf der Webseite des Stadtrates.

4. Juli 2020