Das Müll Museum Soldiner Kiez feiert seinen ersten Geburtstag

Im März feiert das Müll Museum Soldiner Kiez am 13. März seinen ersten Geburtstag. In dem Museum steckt aber mehr als eine Ausstellung.

Müll Museum

Öffnungszeiten des Müll Museums. Foto Andrei Schnell

So viel verraten Lena Reich und Susanne Schultze-Jungheim, die beiden Macherinnen des Müll Museums, schon jetzt: gefeiert wird mit einem Gespräch mit dem Kunsthistoriker Professor Werner von Treek, der in Kassel einen Müll-Studiengang einführen wollte. Zudem wird es ein buntes Kunstprogramm geben, unter anderem mit dem Opernsänger Pjtor Tschaikowskij, Schülerinnen und Schüler aus dem Kiez, die sich mit Stimme und Instrumenten lauthals gegen Massenkonsum und Gleichgültigkeit richten. Außerdem wird die Prinzenakademie gemeinsam mit den Kindern von der Grünthaler Straße ein Theaterstück aufführen. Das Müll Museum lädt den Kiez und die gesamte Stadt Berlin ein, gemeinsam diesen ersten Geburtstag zu feiern.

 

"Gefeiert wird vor allem die positive Rückmeldung aus dem Kiez und Berlin" sagt Lena Reich. Wöchentlich besuchen Schulklassen das Museum, das im zweiten Stock des Gemeindehaues der Stephanuskirche seinen festen Ort hat. In Workshops erfahren die Kinder und Jugendliche nicht nur viel über Kunst und Müll, sondern auch über die Geschichte des Kiezes.

Zum Konzept des Müll Museums und des dazugehörigen durch das QM geförderten Projekts gehört auch eine Mieter AG. Zusammen mit dieser wollen die Macherinnen einen verwahrlosten Spielplatz wieder auf Vordermann bringen. Im November stellten erstmalig Kinder ihre Werke im Müll Museum aus: eine Stadtvision, gebaut aus Altpapier. Das sind Aktivitäten, durch die es gelingen kann, dass der Soldiner Kiez sein Schmuddelimage verliert, ohne, dass die Bewohnerschaft ausgetauscht werden müsste.

 

Der Tagesspiegel berichtete im letzten Jahr über das Müll Museum, wodurch sich einige Charlottenburger Bürger zur Eröffnung in den Soldiner Kiez trauten. Eine japanische Bloggerin empfahl die unterhaltsame Attitude, mit der das Müll Museum Soldiner Kiez dieses dreckige Thema aufs Tablet bringt und das Stadtmagazin tip betitelte die Kunstwerke, die alle aus dem Soldiner Kiez stammen, als Kunst. Auch Andreas Jacob von der Abendschau besuchte das Museum.

Das Thema Müll bewegt die Öffentlichkeit. "Während die Fridays For Future Demonstrationen weltweit stattfinden, öffnet das Müll Museum Soldiner Kiez jeden Freitag seine Pforten im Wedding und erreicht Menschen, die nicht freitags der Schule fernbleiben", so Lena Reich. Anhand der Kunstwerke, die den täglichen Müll aus dem Soldiner Kiez spiegeln, erzählen die beiden Macherinnen die Geschichte des Kiezes. Ein wichtiger Teil dieser Erzählung sind auch die "Säuberungen" durch die Nazis in den 30er Jahren.

 

Die Idee zu einem Müll Museum kam den beiden, weil das Thema Schmutz und Dreck auf Straßen im Soldiner Kiez (und vielen anderen Stadtteilen) ein so genanntes Aufregerthema ist – und auch immer wieder Grund für Streitereien und Auseinandersetzungen ist. Viele sind genervt, wenn der Nachbar Sofa oder Zigarettenstummel auf den Gehweg entsorgt. Gleichzeitig ist Müll ein viel komplexeres Thema.

3. Februar 2020