Repair-Café Soldiner Kiez: Geräte und Sachen wie neu

Nach Projektende im Dezember 2018 hat eine Gruppe von Reparaturhelfern das Repair-Café in die eigenen Hände genommen. Sie bieten auch Nähhilfe an.

Nähmaschine Repair-Café

Beim Repair-Café Soldiner Kiez kann auch Kleidung ausgebessert werden. Foto Andrei Schnell

"Nicht jedes Repair-Café in Berlin kann auch Textilien ausbessern", sagt Hans-Georg Fischer vom Repair-Café Soldiner Kiez. Kleidung auszubessern passt aber genauso zum Grundgedanken der Repair-Bewegung, sagt der ehrenamtliche Techniker. Er sieht sich ausdrücklich nicht als Kopf der Gruppe, die aus mehr aus rund zehn engagierten Menschen besteht. Jeden zweiten und vierten Donnerstag im Monat öffnen sie von 17 bis 20 Uhr in der Fabrik Osloer Straße die Tür im Erdgeschoss des ersten Hinterhofes.

Am 12. September betreten nach und nach Gäste den Raum, um vor allem technische Geräte wieder in Gang zu bringen. Ein elektrischer Heizer, ein Kopfhörer, sogar ein Fernseher wird aufgeschraubt. "Sehen Sie, dieses Teil ist durchgebrannt, kaufen Sie bei Conrad ein neues und wir bauen es gemeinsam ein", sagt einer der erfahrenen Repairler. Er hat nicht selbst Hand angelegt, denn jeder Bersucher soll, soweit es sinnvoll ist, allein reparieren. "Hilfe zur Selbsthilfe" sagt Hans-Georg Fischer. 

"Unser aller Motivation ist, Geräte vor dem Mülleimer zu bewahren, also die Müllvermeidung", erklärt der ehrenamtliche Tüftler. Das Prinzip eines Repair-Cafés hat sich mittlerweile herumgesprochen. Man meldet sich per E-Mail an, kommt mit dem defekten Ding und Kleidungsstück vorbei, lässt sich Tipps geben, findet Werkzeug vor und bringt den Gegenstand wieder in Takt. Oft sind es nur kleine Teile, die kaputt gehen und die dann ausgetauscht oder wieder angelötet werden können.

Das Projekt Repair-Café Soldiner Kiez war ursprünglich ein aus dem Projektfonds gefördertes Projekt. Es endete im Dezember 2018. Die Helfer sahen aber nicht ein, warum sie nur deshalb aufhören sollten. Sie eroberten sich den Container mit den Werkzeugen, wie einige der Bastler es hinter vorgehaltener Hand formulieren, und setzten das Angebot einfach fort. "Es ist toll, dass die Fabrik Osloer Straße unserer Gruppe den Raum entgeltfrei zur Verfügung stellt", sagt Hans-Georg Fischer. Denn Einnahmen werden beim gemeinsamen Reparieren nicht erzielt. Es steht aber ein "Kaffeeschwein" zur Verfügung. Wer spenden möchte, kann dort ein paar Euro einwerfen. Die Gruppe bezahlt davon den angebotenen Kaffee und gönnt sich einmal im Jahr als Belohnung für ihr unbezahltes bürgerschaftliches Engagement ein gemeinsames Essen. 

Die Mitglieder der Gruppe wohnen zum größten Teil im Soldiner Kiez, manche von ihnen leben im benachbarten Lettekiez. Auch dort stellen einige wenige von ihnen ihre Erfahrung und ihre goldenen Hände einem Repair-Café zur Verfügung. Nicht zu verwechseln ist das Repair-Café Soldiner Kiez mit "Alt bleibt neu", für das der Soldiner Kiez e.V. Träger ist. Das Repair-Café Soldiner Kiez in der Osloer Straße arbeitet ohne Vereinsstruktur - und das seit einem dreiviertel Jahr erfolgreich.

Weitere Informationen stehen auf der Webseite repaircafe-soldiner.de. Repariert wird jeden zweiten und vierten Donnerstag im Monat von 17 bis 20 Uhr in der Osloer Straße 12.

Ältere Beiträge zum Repair-Café Soldiner Kiez auf dieser Webseite: "Zum Glück repariert" und "Repair-Café feiert zweiten Geburtstag" (Dezember 2016).

13. September 2019