"Weddinger Freiheiten" zeigt eigenständige Persönlichkeiten

Eine Ausstellung der evangelischen Landeskirche widmet sich der Weddinger Geschichte und stellt Pfarrer von der Kaiserzeit bis zur Wiedervereinigung vor, die ihre eigenen Wege gingen.

Marion Gardei

Marion Gardei ist Beauftragte für Erinnerungskultur bei der Evangelischen Kirche und hat die Ausstellung "Weddinger Freiheiten" organisiert.

Auf 12 Stellwänden und vier zusätzlichen Infowänden präsentiert die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz historische Rückblicke auf Pfarrer im Wedding, denen es gelang, Freiräume zu nutzen. Am 10. September um 19.30 Uhr wird Ausstellung mit Propst Dr. Christian Stäblein in der St. Paul-Kirche in der Badstraße eröffnet.

Widersprüchlicher Eigensinn

Fotos aus Archiven trugen die beiden Kuratoren Beate Rossie und Holger Schnell zusammen. Sie verfassten auch die Texte. Sie entwarfen zu jedem der Zeitabschnitte Kaiserreich, Weimarer Republik, NS-Zeit und Nachkriegszeit je drei Stellwände, auf denen die allgemeine Zeitgeschichte, Ereignisse im Wedding sowie zwei Persönlichkeiten vorgestellt werden. "Wir zeigen das Engagement einzelner Pfarrer für soziale Fragen. Das war in der damaligen Zeit auch in der Kirche nicht immer selbstverständlich", sagt Kurator Holger Schnell. Nicht alle dieser Pfarrer waren nach heutiger Sicht "progressiv oder fortschrittlich". Aber das "Widersprüchliche" an den eigensinnigen Handlungen zu zeigen, war den Kuratoren wichtig.

Manch einer aus dem Soldiner Kiez erinnert sich noch an die Aktion der Hausbesetzer der PA58, als diese öffentlichkeitswirksam die Stephanuskirche besetzten. Auch diese Episode wird in der Ausstellung beleuchtet.

Die Ausstellung ist für alle Interessierte öffentlich. "Die Ausstellung wird wandern", sagt Marion Gardei, die seit drei Jahren für die Landeskirche das damals neu geschaffene Amt einer "Beauftragten für Erinnerungskultur" ausübt und die Ausstellung organisiert hat. Die erste Station ist die St. Paul-Kirche in der Badstraße. Öffnungszeiten sind sonntags von 11 bis 13 Uhr und mittwochs von 15 bis 18 Uhr. Die Stationen für 2018 stehen noch nicht fest. Gedacht ist auch an konfessionslose Orte wie Räume des Bezirksamts oder soziale Einrichtungen im Wedding.

Videoprojekt zu Freiraum heute

Wie es mit Freiräumen und Freiheiten in der widersprüchlichen Gegenwart bestellt ist, dazu hat Lena Reich ein Video produziert, das ebenfalls während der Ausstellung zu sehen ist. In dem Film werden Menschen aus dem Kiez befragt und reden über ihre Sicht. Für die Zuschauer liegen Karteikarten bereit, auf denen sie ihre Gedanken aufschreiben können. Das Video wurde vom Quartiersmanagement Ackerstraße über den Aktionsfonds mitermöglicht.

Begleitprogramm

Nach der Eröffnung in der St. Paul-Kirche gibt es ein Begleitprogramm. So wird am 21. September um 19 Uhr Prof. Dr. D. Wolf Krötke einen Vortrag halten über "Freiheit, die Mut macht". Am 27. September gibt es um 19 Uhr eine Diskussion über Weddinger Kirchengemeinden in der NS-Zeit. Markus Meckel, Außenminister a.D. spricht am 4. Oktober um 19 Uhr über Herausforderungen der Freiheit. Für Jugendliche wird ein Freiraum in Form eines Werktages am 15. Oktober von 17 bis 20 Uhr geschaffen. "Die Freiheit nehm ich mir ...!?" ist der Titel eines Abendgottesdienstes am 20. Oktober um 19.30 Uhr.

7. September 2017