Interview: Etwas gegen Müll tun

Ines Blumenthal vom Umwelt- und Naturschutzamt Mitte ist mit ihren Techniker-Kollegen zuständig bei Müllablagerungen auf privaten Grundstücken.

Ines Blumenthal

Ines Blumenthal mit den beiden Kiezläufern in der Koloniestraße.

Ines Blumenthal vom Umwelt- und Naturschutzamt besuchte das Vorort-Büro des Quartiersmanagements. Thema war der Müll auf Straßen und Gehwegen. Vor wenigen Tagen bereits erschien eine Reportage vom Arbeitsalltag der Kiezläufer, der viel mit Sperrmüll zu tun hat. Hier nun ein Interview mit Ines Blumenthal, die die Kiezläufer im Bezirk Mitte fachlich anleitet.

Frage: Frau Ines Blumenthal, unser Thema ist Müll. Was genau ist in diesem Zusammenhang Ihre Aufgabe im Bezirksamt?

Ines Blumenthal: Ich arbeite beim Umwelt- und Naturschutzamt des Bezirks Mitte von Berlin. Eine meiner Aufgaben ist es, die Abfallbeseitigung auf privaten Flächen durchzusetzen. Und ich bin für Probleme beim Gewerbeabfall zuständig. Ein zweiter Teil in meiner Verantwortung ist es, Umweltprojekte zu betreuen. In diesem Rahmen leite ich die Kiezläufer in Mitte fachlich an. Die Kiezläufer arbeiten vor allem in Gebieten mit einem Quartiersmanagement.

Frage: Wie ist der Ablauf, wenn Müll auf privatem Land nicht entsorgt wird?

Blumenthal: Wenn es Kiezläufer gibt, dann melden diese den Müll auf öffentlichen und auf privaten Flächen dem Ordnungsamt. Diese Meldung beim Ordnungsamt kann aber auch jeder Bürger vornehmen. Zum Beispiel online unter ordnungsamt.berlin.de. Das Ordnungsamt leitet alle Meldungen an die richtige Abteilung weiter. Wenn sich der Müll wirklich auf privatem Eigentum befindet, dann landet der Fall auch auf meinem Schreibtisch. Meine Kollegen und ich nehmen diese Fälle persönlich in Augenschein. Der Eigentümer wird dann angeschrieben. Die meisten Eigentümer reagieren und es brauchen keine Bußgelder angedroht zu werden.

Frage: Sie sind zuständig für die Kiezläufer. Welche Aufgaben haben diese?

Blumenthal: Die Kiezläufer haben die Aufgabe, alle Abfallablagerungen auf öffentlichem Straßenland und Grünanlagen aufzuspüren. Sie melden auch Gehwegschäden und im Winter kontrollieren sie Schäden an Beleuchtungen. Außerdem kümmern sich die Kiezläufer um die Hundekot-Beutelspender und helfen bei Aktionen in den Quartieren mit. Ich kann feststellen: seitdem es die Kiezläufer gibt, sind die Standzeiten für illegal abgestellten Sperrmüll deutlich zurückgegangen.

Frage: Was denken Sie, woran es liegt, dass immer wieder Müll auf den Straßen entsorgt wird?

Blumenthal: Bei „Sauberkeitsprojekten“, die im Auftrag des QM 2011-2014 stattfanden, wurde festgestellt, dass speziell im Soldiner Kiez eine hohe Fluktuation der Bewohner zu beobachten ist. Wo Menschen nur kurz in einem Kiez wohnen, da gibt es wenig Identifikation mit dem Wohnumfeld. Und natürlich verursacht allein die hohe Rate an Umzügen viel Sperrmüll; dann ist auch die Rate der Ablagerungen im öffentlichen Raum hoch.

Frage: Gibt es noch andere Gründe?

Blumenthal: Ich denke, dass viel Unwissenheit und zum Teil auch Desinteresse vorhanden ist. So haben mir Menschen gesagt, sie hätten gedacht, es gäbe in Berlin einen monatlichen Sperrmülltag. Anders als in vielen kleinen Gemeinden hat die Großstadt Berlin diesen aber nicht. Dafür gibt es Recyclinghöfe, bei denen die BSR fast alle Abfälle annimmt. So können hier zum Beispiel Sperrmüll bis zu einer Menge von zwei Kubikmeter pro Fahrzeug kostenlos entsorgt werden. Auch Elektroschrott wird kostenlos angenommen. Auch wissen nur wenige, dass die BSR gegen ein Entgelt Sperrmüll direkt von der Wohnungstür abholt. Helfen würde es, wenn die Vermieter ihren neuen Bewohnern gleich zum Mietvertrag einen Flyer der BSR mitgeben. Käufer von neuen Möbeln oder von neuen Geräten sollten im Vorfeld mit dem Verkäufer regeln, dass bei Lieferung das alte Stück vom Händler gegen eine Transportgebühr mitgenommen und entsorgt wird.

Frage: Bräuchte es eine Informationskampagne, um Eigenverantwortung zu stärken?

Blumenthal: Bei sogenannten öffentlich wirksamen Aktionen wäre es mir wichtig, dass diese gut vorbereitet sind. Sie müssten zielgenau die Bewohner richtig ansprechen. Diese Aktionen müssten auf einen längeren Zeitraum angelegt sein. Ohne einen langen Atem, nur auf zwei oder drei Jahre begrenzt, haben solche Projekte aus meiner Sicht nur eine verminderte Wirkung. Das Kiezläuferprojekt dagegen konnten wir seit nunmehr vielen Jahren durchführen. Und da zeigt sich dann doch die Wirkung.  

14. Juni 2017